11. Juli 2014, 19:30 Uhr

Museum der Stadt Bad Ischl

Esplanade 10, 4820 Bad Ischl

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Gewitterwolken über der Kaiservilla

Dieser friedvolle Kurort im Salzkammergut rückte inmitten drohender Kriegsgefahr und der Anwesenheit des Kaisers für ein Monat in das Zentrum des Weltgeschehens. - Als es nach 1918 kein Kaiserreich mehr gab, tröstete man sich nicht nur in Bad Ischl mit dem Traumreich der Operette

Der Vorhang des Dramas erhob sich zunächst beinahe lautlos: Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 begann unumstößlich der 1. Weltkrieg. Kaiser Franz Joseph hatte den Entwurf für den endgültigen Wortlaut der Kriegserklärung, in Bad Ischl ohne jeden Einwand unterschrieben und noch hinzugefügt: "Ich genehmige den beiliegenden Entwurf des Telegramms an das serbische Ministerium des Äußeren, welches die Kriegserklärung an Serbien enthält, und erteile Ihnen die erbetene Ermächtigung. Bad Ischl, am 28. Juli."

Der Kaiser fühlte sich gegenüber seinen Untertanen zur Rechenschaft verpflichtet und so hatte man für ihn im Außenministerium bereits das Manifest "An meine Völker" vorbereitet. Noch einmal betont er darin seine Friedensbereitschaft. Nur die "…Umtriebe eines hasserfüllten Gegners…" würden ihn zu den Waffen zwingen. Er habe "alles geprüft und erwogen", mit "ruhigem Gewissen" beschreite er demnach den Weg, den "die Pflicht Mir weist". Ebenso am 28. Juli unterzeichnete er in Bad Ischl diese maschingeschriebene Textfassung. Die k.u.k. Regimenter machten sich marschbereit.

Bekanntlich waren die Großmächte durch tiefgehende Interessenskonflikte und Bündnisverpflichtungen weitestgehend in ihrer politischen Bewegungsfreiheit eingeengt: So konnte Österreich-Ungarn im Konflikt mit Serbien mit der grundsätzlichen Unterstützung des Deutschen Kaiserreiches rechnen und geriet dadurch gleichfalls in das bereits knisternde Spannungsdreieck Deutschland, Frankreich und England. Hinter Serbien stand bereits Russland, das wieder durch ein enges Militärbündnis mit Frankreich verknüpft war. Noch verschärfend hinzu kam, seitens der betroffenen Majestäten, der Politiker aller Couleurs und der Generalstäbe, jene absolut falsche und unrealistische Beurteilung des Kriegsbildes - vor allem in Hinsicht auf Dauer und Intensität eines entfesselten Krieges - weshalb ein kalkulierbares Kriegsrisiko - als ein weiteres Mittel der Politik - noch für tragbar erachtet wurde. Nur wenige ahnten die gravierenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen, die am Ende eines derartigen gewaltsamen Exzesses stehen musste, am wenigsten die k.u.k. Monarchie, die - in den ersten Tagen des Krieges - sogar noch auf einen auf Serbien lokalisierten Krieg spekuliert hatte!

Mit der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand war ein Symbol getroffen - und eine durchaus reale Hoffnung insoweit zerstört worden, indem die Monarchie mit diesem Attentat plötzlich völlig perspektivlos geworden war: Was Franz Ferdinand in Sachen Reichsreform angedacht und vorbereitet hatte, war mit diesen Schüssen wertlos geworden: Die Reform des Dualismus "Österreich-Ungarn" sich mit einer Hereinnahme der Böhmischen Krone zu einer Art Trialismus weiterzuentwickeln, interessierte in den folgenden Jahren bis 1918 kaum jemanden.

Am frühen Morgen des 30. Juli 1914 verließ Kaiser Franz Joseph in Begleitung des neuen Thronfolgers Erzherzog Karl die Kaiservilla und begab sich per "Zweispänner" zum Bahnhof. Die offizielle Delegation zur Verabschiedung des greisen Monarchen wurde von Bürgermeister Franz Stadler angeführt.

Franz Joseph dankte von den Stufen des Hofwartesalons - nach allen Seiten mit der Hand winkend - und stieg sodann in den Hofseparatzug nach Wien-Penzing. Das Pfeifsignal des Zuges beim Überrollen der "Traunbrücke" bedeutete nicht nur für Bad Ischl ein Memento für das Ende einer glänzenden Epoche: Nach 66 Besuchsjahren in Bad Ischl wurde es auch des Kaisers Abschied vom "…geliebten Ischl" für immer….

Der Vortragende hat mittels Durchforstung der neuesten Literatur, Sichtung von Originaldokumenten und Fotos, auch im Archiv des Museums der Stadt Bad Ischl, für einen spannenden und erkenntnisreichen Abend vorgesorgt.


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