17. Juli 2018 - 24. Aug. 2018
Freier Eintritt

KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Erinnerungsstraße 1, 4310 Mauthausen

Kontakt

Tel.: 07238/2269-0

Verdrängte Jahre. Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945

Im Jahr 2018 feiert die Eisenbahn in Österreich ihr 180-jähriges Jubiläum. Dabei werden die enormen technischen Errungenschaften und die Bedeutung der Bahn für die industrielle Revolution, für Erneuerung und den wirtschaftlichen Aufschwung thematisiert. Die ÖBB haben sich aber auch mit den dunklen Zeiten des Systems Schiene beschäftigt. In der Ausstellung "Verdrängte Jahre" wurde jener Zeitraum thematisiert, in dem die Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) ein Teil der Deutschen Reichsbahn waren. Von 1938 bis 1945 war die Bahn eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates. In sieben thematischen Schwerpunkten werden verschiedenste Bereiche dieser dunklen Zeit eindrucksvoll und emotional gezeigt. Auch die Bahngeschichte in der NS-Zeit im Bundesland Oberösterreich wird dargestellt. Nach den bisherigen Stationen in Wien, Linz, Salzburg, Graz, Wiener Neustadt, St. Pölten und Tel Aviv wechselt die Wanderausstellung nun ins das Mauthausen Memorial im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen - und damit an einen der grausamsten Orte, die mit der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich verbunden sind. In Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden zwischen 1938 und 1945 rund 100.000 Menschen ermordet.

Die Themenausstellung "Verdrängte Jahre - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 - 1945" gliedert sich in mehrere Abschnitte.

  • Der »Anschluss«
  • Die Bahnbediensteten
  • Emigration und Kindertransporte
  • Die Sondertransporte
  • Der Widerstand
  • Die Zwangsarbeit
  • Die Restitution

Ein Teil der Themenausstellung ist zudem eine filmische Dokumentation, die ÖBB-Lehrlinge im Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zeigt.

Für die Konzeption und Umsetzung der Themenausstellung zeigt sich Dr.in Traude Kogoj als Projektleiterin sowie Univ. Prof. DDr. Oliver Rathkolb für die wissenschaftliche Beratung verantwortlich. Milli Segal und Alfred Klein-Wisenberg sind für die Ausstellungskonzeption zuständig. Nähere Informationen unter: www.oebb.at/verdraengte_jahre


Die Eckpunkte der Themenausstellung Verdrängte Jahre

Obwohl die Bahn in der Zeit des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielte, blieb sie in der Geschichtsschreibung der Österreichischen Bundesbahnen bisher so gut wie unerforscht und ausgeblendet. Die Österreichischen Bundesbahnen wurden 1938 sofort in die Deutsche Reichsbahn integriert. Ohne Bahn als Transportmittel wäre die Kriegslogistik der deutschen Wehrmacht nicht machbar gewesen. Wie und in welcher Form wird in der Ausstellung gezeigt.

Züge in den Tod
Ohne die logistische Kapazität der Bahn wäre der systematische Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden, an Roma und Sinti, die Deportation von Sloweninnen und Slowenen, von Homosexuellen, Zeuginnen und Zeugen Jehovas und politisch Andersdenkenden nicht möglich gewesen. Drei Millionen Menschen aus fast ganz Europa wurden im Zweiten Weltkrieg mit Zügen in die Vernichtungs- und Tötungslager des NS-Regimes transportiert. Die Deutsche Reichsbahn war durch die Deportation zahlloser Menschen unmittelbar am Holocaust beteiligt und mit ihr auch die ehemals österreichischen Bahnbediensteten, die während der Zeit - nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 - Bedienstete der Deutschen Reichsbahn waren. Mehr als 200.000 Österreicherinnen und Österreicher und fast die gesamte jüdische Bevölkerung wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen oder in Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt. Die Transporte erfolgten mit der Bahn.

Eisenbahner im Widerstand
Die nationalsozialistischen Machthaber versuchten ab März 1938 die Eisenbahnbediensteten an ihr Regime zu binden. Eisenbahnerinnen und Eisenbahner hatten strengere Regeln als Berufsbeamte zu befolgen, mussten "jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten" und sie wurden flächendeckend einer politischen Untersuchung und Überwachung unterzogen. Dennoch waren Eisenbahnerinnen und Eisenbahner maßgeblich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. So berichtet das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) 1941 über den Widerstand bei der Bahn, dass im Vergleich zum "Altreich ... die Ostmark seit Ausbruch des Krieges 1939 in sabotagepolizeilicher Hinsicht eine größere Rolle spielte, da hier die fremdländischen Nachrichtendienste und die inländischen Gegnergruppen es bereits früher verstanden hatten, Sabotageorganisationen aufzubauen ...". 154 Eisenbahner wurden wegen Ihres Widerstandes zum Tode verurteilt und hingerichtet, 135 starben in Konzentrationslagern oder Zuchthäusern, 1.438 wurden zu KZ- oder Zuchthausstrafen verurteilt.

Die Dauerausstellung kann ab 17. April bis 24. August 2018 im Mauthausen Memorial während der Öffnungszeiten - täglich von 09:00 bis 17.30 besichtigt werden. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenlos. Schautafeln, die über den KZ-Komplex Mauthausen, die Außenlager und die Rolle der Bahn beleuchten, sind während der gesamten Ausstellungszeit im Bahnhof Mauthausen, St. Valentin und St. Georgen an der Gusen zu sehen.

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