09. Juni 2018 - 15. Juli 2018

Mühlviertler Schlossmuseum

Schlosshof 2, 4240 Freistadt

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Das Jahr 1938 - Ausgrenzen: Verschobene Grenzen

1938: Grenzübergang Stiftung bei Reichenthal. Österreichische Zöllner mit Hakenkreuzbinde, links hinten tschechoslowakischer Grenzwachebeamter. (Foto: Zoll- und finanzgeschichtliche Sammlung Freistadt)

Nach der schon unruhigen Zwischenkriegszeit kamen 1938 noch turbulentere Zeiten: Nach dem Anschluss Österreichs wurde auch das Sudetenland an Nazideutschland angeschlossen. Die Grenze an der Maltsch und am Böhmerwaldkamm ist über Nacht verschwunden und in das Landesinnere verschoben worden. Vorbereitet wurde dieser Überfall durch einen abscheulichen Propagandakrieg von seiten Deutschlands, aber auch durch Gewalttätigkeiten und Unterdrückungen durch den sudetendeutschen Freikorps. Die "Befreiung der Deutschen" war vollzogen, die Unterdrückung der Tschechen hat begonnen. Das Land konnte aber nur mit Nazi-Terror und Gewalt regiert werden. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen und Hinrichtungen auch von unschuldigen Opfern. Nach dem Zusammenbruch und nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Tschechoslowakei in den alten Grenzen wieder hergestellt. In dieser neuen Tschechoslowakei hatten aber nach dem Willen von Ministerpräsident Benes und anderen maßgeblichen Politikern die Deutschen keine Existenzberechtigung mehr. Nach der "Wilden Vertreibung" in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 erfolgte knapp ein Jahr später der organisierte "Abschub" (odsun), so die offizielle Bezeichnung der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Viele dieser Menschen kamen durch das Mühlviertel, manche haben hier ihre zweite Heimat gefunden.

"Am 22. d. M. fuhr unser neuer Dieselwagen (Kč. 100.000,-) mit Ladung nach Meinetschlag, wo er um ca. 6 Uhr abends ankam. Als er in die zweite Verteilungsstelle Zettwing weiterfahren wollte, kam ein Trupp vom Freikorps in den Ort, bestehend aus ca 60 Mann. Man zwang mit vorgehaltenem Revolver den Chauffeur, die Waren abzuladen und mit dem Wagen über die Grenze zu fahren".

(24. 9. 1938 Konsumleiter Praschl, Kaplitz/Bahnhof)

 

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