29. Okt. 2015, 19:00 Uhr - 9:29 Uhr

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Der Luchs – Rückkehr auf leisen Pfoten

Teilweise sorgt die große Katze für Aufregung, weil ihre Rückkehr nicht von jedermann begrüßt wird. Über ein Jahrhundert nicht mehr in Österreichs Wäldern zuhause, ist der Luchs heutzutage für viele ein unbeschriebenes Blatt. Auf der einen Seite werden deshalb die Schauermärchen aus alten Überlieferungen von der blutrünstigen und heimtückischen Bestie nur zu gerne geglaubt. Der Luchs wird verteufelt und als Sündenbock für die teilweise schwierige Wald-Wild-Situation abgestempelt. Auf der anderen Seite stilisieren viele Menschen aus dieser Unwissenheit heraus den Luchs hoch zu einem Gütezeiger für eine noch intakte Natur oder gar zum Retter des Waldes. Sie sehen in der Rückkehr des Luchses eine Art Wiedergutmachung an der Natur und erhoffen sich eine Lösung der Schalenwildproblematik. Extremmeinungen also auf beiden Seiten, nach dem Motto "Nur das glauben, was man glauben will". Ein erfolgversprechender, interessensübergreifender Umgang mit dieser Tierart kann aber nur auf einem fundierten Wissen über ihre Ökologie und Lebensraumansprüche sowie Toleranz aufbauen.

Das Luchsprojekt von önj/Naturschutzbund/GHE hakt gerade hier mit seinen vier Projektzielen ein.

Es will ...

1. den tatsächlichen Luchsbestand möglichst genau erfassen und eventuelle Populationstrends ermitteln;

2. die Menschen vor Ort sachlich und fachlich fundiert informieren;

3. die Akzeptanz und Toleranz gegenüber dieser Tierart auf der Grundlage von Fakten erhöhen;

4. mit allen beteiligten Interessensgruppen ein akzeptiertes und langfristiges Miteinander von Mensch und Luchs erreichen.

Dabei leiten folgende Gedanken die tägliche Arbeit:

• Schutzgebiete reichen in Mitteleuropa als Lebensgrundlage für den Luchs nicht aus. Wegen der hohen Raumansprüche des Luchses sind Großschutzgebiete allein für ein dauerhaftes Überleben einer Luchspopulation zu klein - der Luchs muss auch in der Kulturlandschaft leben dürfen.

• Der Luchs ist kein Indikator für unberührte Wildnis. Das Vorkommen des Luchses in einer Region zeigt keine intakten Ökosysteme oder gar Wildnis an. Er kann vielmehr auch in unserer Kulturlandschaft gut überleben.

• Der Luchs ist ein Indikator für Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft. Eine ausreichende Akzeptanz und Toleranz des Menschen gegenüber großen Beutegreifern wie dem Luchs ist die Grundvoraussetzung für das Überleben der Art in Österreich und in Mitteleuropa.

Im Vergleich zu den Bedingungen während seiner Ausrottung vor gut 150 Jahren hat sich die Situation inzwischen zu seinen Gunsten gewandelt: Die Waldfläche Österreichs wurde mehr. Auch der Rehwildbestand ist angewachsen.

Die Einstellung gegenüber den großen Beutegreifern hat sich - ausgehend von der städtischen Bevölkerung - verändert: weg von dem Konkurrenzdenken hin zu einer Sicht der Fleischfresser als notwendiger Bestandteil im ökologischen Gesamtgefüge.

Jedoch sind einige Landnutzer nach wie vor sehr skeptisch. Der Luchs wird teilweise als Konkurrent angesehen, der die durch die forstlich geprägte Devise "Wald vor Wild" vielerorts schon reduzierten Rehwildbestände weiter dezimiert. Illegale Bejagung wird zum Thema.

Derzeitige Problemfelder lassen sich vor allem auf den zwischenmenschlichen Bereich reduzieren: Unsachlichkeit sowohl auf Luchsbefürworter- als auch auf Luchsgegnerseite lassen Fronten entstehen, die meist emotional begründet und deshalb nur schwer aufzuweichen sind. Oft muß der Luchs als willkommener Sündenbock für tiefe Frustration herhalten, die sich auf Kommunikations-schwierigkeiten und Beratungsresistenz begründet.

Dringend notwendig ist eine Versachlichung der Diskussion. Nur so lässt sich wieder ein wechselseitiges Vertrauen aufbauen. Weder eine Verteufelung noch eine Verherrlichung bringen den Luchs weiter. Auf einer sachlichen und fachlich fundierten Basis kann aber ein ehrlicher, interessensübergreifender und langfristiger Umgang mit dem Luchs möglich sein.

Dem Luchs fehlt es in Österreich nicht an Lebensraum, er braucht vielmehr Akzeptanz, Toleranz und Offenheit von uns Menschen. Dies erreichen wir aber nur, wenn wir es schaffen, die Gräben innerhalb und zwischen den beteiligten Interessensgruppen zu schließen. Der Luchs also als einmalige Chance - für uns Menschen.


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