19. Aug. 2015, 19:30 Uhr

Museum der Stadt Bad Ischl

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„Schachnovelle“ – Stefan Zweig

Das Besondere daran ist nicht nur die psychologisch fundierte Erzählweise des Dichters, sondern die ganz seltsame Tatsache, dass Zweig wesentliche Teile seiner Erzählung zu einem Zeitpunkt spielen lässt, die er selbst nicht mehr erlebt hat. Nach Hitlers Machtergreifung wanderte er von Salzburg mit seiner Frau nach Brasilien aus, wo er 1942, aus Angst das Nazi-Regime würde auch Südamerika erobern, gemeinsam mit seiner Frau Selbstmord beging.

Die "Schachnovelle" aber lässt er nach Kriegsende spielen - wobei er nicht vorhersehen konnte, wie der Krieg ausgehen würde. Hier klafft also ein interessanter Zwiespalt zwischen der Realität, in der Zweig seinen unseligen Schritt unternahm, und einer dichterischen Hoffnung, der er in seiner Erzählung Ausdruck verlieh und die sich später in der Wirklichkeit auch bestätigt hat.

Man muss kein Schachspieler sein, um der intensiven Spannung dieses Werkes folgen zu können. Wenn auf einem Ozeandampfer der Schachweltmeister sich plötzlich einem unbekannten Gegner gegenübersieht, der ihn erstaunlicherweise in Bedrängnis bringen kann, so ist dies der Auftakt zu einer unglaublichen Geschichte, die Zweig vor dem inneren Auge des Lesers abrollen lässt.

Oskar Werner sagte einmal sinngemäß, bei einem Schriftsteller merke man noch, wie es gemacht sei. Da seien die Jalousien noch teilweise offen. Aber bei einem Dichter nicht, da seien die Jalousien geschlossen. Thomas Mann war für ihn ein Schriftsteller, Stefan Zweig aber, der leider nie den Nobelpreis erhalten hat, ein Dichter.


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