Zahnmuseum Linz
Wann waren Sie zuletzt beim Zahnarzt?
Diese Frage wird wohl auftauchen, wenn Sie das Linzer Museum für Geschichte der Zahnheilkunde in Oberösterreich besuchen. Doch dem nächsten Termin beim Zahnarzt wird wohl mancher Schrecken genommen, denn der Blick auf die Methoden der Zahnbehandlung um 1700 lässt den gegenwärtigen Zahnarztbesuch in einem durchaus angenehmen Licht erscheinen. Im kleinen, aber feinen Museum, das seit 2003 im Alten Rathaus am Hauptplatz in Linz beheimatet ist, lässt sich nämlich die Entwicklung der Zahnmedizin und -technik in den letzten drei Jahrhunderten auf anschauliche Weise nachvollziehen.
Das Museum entstand auf Initiative des Vereins "Linzer Museum für Geschichte der Zahnheilkunde in Oberösterreich", der eine umfangreiche Sammlung an zahnmedizinischen und -technischen Apparaturen und Gerätschaften aufgebaut hat. Diese basiert zum Großteil auf Hinterlassenschaften von Zahnärzten. Darunter befindet sich auch eine komplett ausgehobene Linzer Zahnarztpraxis aus dem Jahre 1969.
Die Geschichte der Zahnheilkunde lässt sich bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen:
Bei den Sumerern und Phöniziern sind erste Belege für zahnmedizinische Behandlungen
festzumachen. Auch die Etrusker oder Maya kannten ihre "Zahnspezialisten". Die
ersten Zahnfüllungen aus Silberamalgam entstanden um 660 n. Chr., erste
Vollprothesen waren um 1200 n. Chr. bekannt. Der Weg zu den Zahnarztpraxen im
heutigen Sinn war dennoch lange, etablierten sich diese hierzulande doch erst nach
dem Zweiten Weltkrieg. Ein Pionier der Zahnheilkunde in unseren Breiten ist Georg
Carabelli (1787-1842), der auf kaiserlichen Befehl hin das Fach "Zahnarzneikunde"
an der Universität Wien lehrte.
Im 18. Jahrhundert wirkten vielerorts noch so genannte Zahnbrecher, deren Name
bereits auf die schmerzvolle Art des Zahnziehens hinweist. Eine sichelförmige
Brechvorrichtung aus der Zeit um 1700, mit der die Zähne herausgedreht wurden, ist
auch im Linzer Museum zu sehen. Denkt man an diese Tortur, verwundert es kaum, dass
sich der Kult der Hl. Apollonia in Europa rasch verbreitete. Im 3. Jahrhundert n.
Chr. sollen Apollonia - da sie ihrem Glauben nicht abschwor - alle Zähne
ausgebrochen worden sein. So wurde sie nicht nur zur Schutzheiligen der Zahnärzte,
vielmehr riefen sie auch Leidende bei Zahnschmerzen an. Die Märtyrerin begegnet den
Besucherinnen und Besuchern in Form eines Bildes ebenso im Linzer Museum.
Die Patronin wacht gleichsam über die umfangreiche Sammlung des Museums, etwa die verschiedenen Zahnbehandlungsstühle, deren ältester kaum als solcher zu erkennen ist, handelt es sich doch dabei um einen einfachen Holzsessel aus der Zeit um 1700. Dieser "Bader-Stuhl" zählt neben einer Zahnschüssel zu den ältesten gezeigten Objekten. Daneben sind u. a. eine Fußtretbohrmaschine und frühe Röntgengeräte sowie zahntechnische Apparaturen oder zahnärztlich-chirurgische Geräte zu besichtigen. Zahnkronen und Prothesen in heute kaum mehr vorstellbarer Form (z. B. erste Metallprothesen mit langen, im Unterkiefer fixierten Stahlstiften) werden ebenso präsentiert wie Zahnregulierungsapparate, welche die Verbindung von funktionellen und kosmetischen Aspekten in der Zahnmedizin bzw. -technik aufzeigen.
Doch im Museum kommt auch der Humor nicht zu kurz: Mit einem Augenzwinkern werden Darstellungen gezeigt, die Behandlungen beim Zahnarzt auf treffende Weise karikieren. Und bei einer Videostation können die Besucherinnen und Besucher Präsentationen virtueller Darstellungen von archivierten Ausstellungsobjekten sowie historisches Filmmaterial betrachten.
