Heimathaus-Stadtmuseum Vöcklabruck
Seit rund 70 Jahren hat in der Bezirkshauptstadt Vöcklabruck Museumsarbeit einen besonderen Stellenwert. Das am 11. Juli 1937 eröffnete Heimathaus-Stadtmuseum geht auf eine Initiative des damaligen Bezirkshauptmanns Prinz Alfred zur Lippe-Weißenfeld zurück. Mit der Eröffnung des Museums konnte nach jahrelangen Bemühungen ein wichtiger Meilenstein in der Museumsgeschichte gesetzt werden. Anlass zur Gründung des Heimathausvereins Vöcklabruck und somit des Museums gab eine aus dem Nachlass von Isidor Braun (+1925) stammende Sammlung an alten Waffen, Möbeln und Skulpturen, die zum Verkauf standen. Es drohte Gefahr, dass diese Sammlung für Vöcklabruck verloren ginge, aber durch Spenden von Stiftern und Gründungsmitgliedern des Heimathausvereins konnte die Sammlung um damals 5000 Österreichische Schillinge (heute: ca. 365 EUR) erworben werden.
Das Museum ist seit 1929 in dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden
Benefiziatenhaus, einem der ältesten Gebäude der Stadt, neben der Stadtpfarrkirche
untergebracht. Mit den Umbauarbeiten des Gebäudes von 1932 bis 1937 wurden auch die
verschiedenen Sammlungen des Museums eingerichtet. Neben der erwähnten Sammlung der
Familie Braun, die den Grundstock des heutigen Museums bildete, war auch eine
Pfahlbausammlung, zusammengetragen von Robert Bernhard, dem ersten Kustos des
Museums, von Anfang an in das Museum integriert. Die Sammlung überstand auch
weitgehend die Wirren des Zweiten Weltkriegs, wenngleich in dieser Zeit die
Museumsarbeit beinahe zum Erliegen kam.
Erst 1949 setzte die geregelte Betreuung des Heimatmuseums unter Robert Bernhart wieder ein, der diese Funktion bis zu seinem Tod im Jahr 1980 ausübte. Ihm folgte als Obmann Konsulent Libert Kickinger nach. Unter seiner Leitung erfolgte eine weitgehende Neuordnung und Neupräsentation der Sammlungen. Kickinger übte seine Funktion bis zu einem 97. Lebensjahr aus und legte seine Funktion im Jahr 2005 nieder. Seit dem Jahr 2005 stehen Mag. Helmut Kasbauer als Obmann und DDr. Franz Satzinger als Kustos dem Heimathausverein vor.
Die Sammlungen des Museums in Vöcklabruck, die auf mehreren Etagen präsentiert
werden, bieten dem interessierten Besucher einen imposanten und spannenden
Querschnitt durch das bäuerliche und bürgerliche Leben und Wohnen. Das Erdgeschoß
ist ganz dem bäuerlichen Leben gewidmet. Handgeschmiedete Grabkreuze,
Gebrauchskeramik, Goldhauben, eine geräumige Bauernstube mit Kachelofen, eine
Rauchküche mit Zubehör sowie eine anschließende Schlafkammer mit prachtvoll
bemalten Bauernmöbeln und bäuerliches Arbeitsgerät kennzeichnen diesen
Ausstellungsbereich.
Im ersten Obergeschoß präsentieren verschiedenste Stilepochen von der Gotik bis zum Biedermeier die bürgerliche Wohnkultur. Im "Gotikraum" ist als besonderer Höhepunkt eine geschnitzte Grablegung Christi zu sehen. Das "Renaissancezimmer" fasziniert vor allem durch seine reich verzierte Holzdecke aus dem Jahr 1639 und Möbel. Das anschließende "Barockzimmer" besticht durch zahlreiche Möbel sowie Portraits von Joseph II. und Maria Theresia. Ein Kruzifix von Meinrad Guggenbichler aus dem Jahr 1700 soll nicht unerwähnt bleiben. Überaus eindrucksvoll und reichhaltig an kostbaren Exponaten ist die "Zunftstube". Besonders schöne Zunft- und Hauszeichen sowie Zunfttruhen, Gebrauchskeramik aus Vöcklabruck und Gmunden prägen diesen Ausstellungsbereich. Zuletzt betritt man im ersten Obergeschoß noch das "Biedermeierzimmer", das mit originalen Möbeln und Portraits dieser Epoche ausgestattet ist.
Den Abschluss des Museumsrundgangs bildet das zweite Obergeschoß. Einerseits werden Waffen vom Ende des Mittelalters bis in das 19. Jahrhundert gezeigt und andererseits informiert die umfangreiche Sammlung von den Resten der Pfahlbauten aus dem Atterseegebiet. Anton Bruckner und seinem ersten Biographen Max Auer, die beide mit Vöcklabruck eng verbunden waren, ist zudem ein eigener Gedenkraum im Museum gewidmet.
