Most- und Heimatmuseum
"Wichtiger als die Ausfuhr der heimischen Äpfel, die nicht selten im nördlichen Deutschland die Wirtstafel schmücken, vorwiegend jedoch zur Erzeugung von Schaumweinen verwendet werden, ist die Erzeugung von Most, unserem Nationalgetränk". Mit diesem Satz leitete der erste Landesarchivar Oberösterreichs, Ferdinand Krackowizer, 1899 seine wirtschaftliche Studie mit dem Titel "Der Most" ein.
Wie Recht Krackowizer hatte, zeigt sich in St. Marienkirchen an der Polsenz, denn
dort dreht sich alles um den Most. So ein Krügerl kellerfrischer Most ist doch eine
berauschende Sache, besonders wenn er aus jener Gegend stammt, die für die gute
Qualität der oberösterreichischen "Landessäure" steht. Sogar das Gemeindewappen
zeigt eine Mostpresse und weist auf die traditionsreiche und vom Klima begünstigte
Mostgegend hin. Es lag daher nahe, dem beliebtesten Getränk des Oberösterreichers
ein eigenes Museum zu widmen, das 1981 eröffnet wurde und nun nach einer
grundlegenden Neugestaltung wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Als der alte Getreidespeicher des stattlichen Pfarrhofes in St. Marienkirchen, der vermutlich um 1700 errichtet wurde, in den 1970er Jahren zu verfallen drohte, entschloss man sich das Gebäude zu renovieren und ein Heimatmuseum mit dem Thema "Most" als Schwerpunkt einzurichten. Sein heutiges Aussehen erhielt der Getreidespeicher aber erst nach einem Großbrand im Jahre 1822, wobei sich das im Erdgeschoß befindliche Presshaus im Original bis heute erhalten hat. Das erste und zweite Obergeschoß dienten einst als Getreideschüttböden für den Pfarrhof selbst und für den damals noch zu entrichtenden Zehent von 64 Grundeigentümern. Eine mächtige Dachbodenkonstruktion verleiht dem Zweckbau zudem sein spezielles Aussehen.
Der Rundgang durch die neu gestalteten Ausstellungsräume führt den Besucher zuerst ins Presshaus, wo eindrucksvolle Geräte der Mosterzeugung aus den letzten drei Jahrhunderten den Raum prägen. Der besonders imposante "Roßwalzel" lässt noch erahnen, dass einst Pferde diese mühlsteinähnliche Scheibe in Bewegung setzten, um das Obst darin zu zermahlen. Die Vielfalt der Obstmühlen und Obstpressen, die häufig auch händisch bedient wurden und vor allem bei Kleinbetrieben im Einsatz waren, wird hier ebenso gezeigt. Einzigartig in seiner Dimension ist ein bis zu 3200 Liter fassendes Mostfass, das Vergleichbares sucht.
Der Besucher verlässt das Presshaus und begibt sich in das erste Obergeschoß, wo das einst florierende Binderhandwerk vorgestellt wird. Wissenswertes über das traditionsreiche Handwerk wird ebenso präsentiert wie alte Maße und das Leben in den einst kargen Stuben unserer Vorfahren. Das Thema "Most" schlingt sich wie ein "roter Faden" durch das neu gestaltete Museum. An verschiedenen Informationsständen wird das reiche Wissen um die "Landessäure" dem Museumsbesucher näher gebracht. Fragen wie "Was macht mich zum Mostkenner?", "Gibt es Most nur bei uns und wie heißen seine Verwandten?", "Seit wann gibt es Most und wer hat ihn gefördert?" werden spannend und anschaulich beantwortet.
Das zweite Obergeschoß hingegen steht ganz im Zeichen der für die Jahreszeiten typischen landwirtschaftlichen Geräte und lässt erahnen, wie schwer das Leben und die tägliche Arbeit unserer Ahnen waren. Erwähnenswert ist auch das begehbare Museumsdepot im Dachgeschoß des Mostmuseums, das auf Wunsch geöffnet wird und einen Blick hinter die Kulissen der facettenreichen Museumsarbeit ermöglicht.
Museumsleiter Josef Raab lädt zum Schluss des lehrreichen, interessanten und reizvollen Museumsrundgangs den Liebhaber der "Landessäure" zu einem "Genusschluckerl" vom ausgezeichneten Samareiner Most! Gesundheit! Sollst leben!
