Museum in der Schule

"Die Anschauuung ist das Fundament aller Erkenntnis"

Getreu des Zitats des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) "Die Anschauung ist das Fundament aller Erkenntnis" verknüpft das "Museum in der Schule" in Taufkirchen an der Pram das Thema "Schule und Museum" auf einzigartige Weise.

Entstanden aus der Notwendigkeit der Schaffung von Lehrmittel für einen lebensnahen und praktischen Unterricht, begann in den 1950er Jahren eine rege Sammeltätigkeit, die dazu führte, dass die Hauptschule Taufkirchen an der Pram heute als einzige Schule Österreichs ein eigenes Museum mit naturkundlichen und kulturhistorisch-volkskundlichen Sammlungen besitzt.

"Das Museum eröffnet eine neue Dimension in der Qualität des lebensnahen Schulunterrichts und in der Museumsvermittlung", zeigt sich Thomas Jerger, Geschäftsführer des Verbunds Oö. Museen begeistert.

"Lernen, be-greifen, mitmachen und nachdenken"  für Jung und Alt stehen im Mittelpunkt des Vermittlungsgedankens des "Museums in der Schule". Es lockt mit einem freien Eintritt für Schüler und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr!

Schwerpunkte des "Museums in der Schule"
Nach dreijähriger Planungszeit konnte das Museum im September 2010 eröffnet werden und präsentiert sich als bunter, lebendiger und attraktiver Angebotsbaustein der oberösterreichischen Museumslandschaft und der Pramtal Museumsstraße unter dem Motto: "Taufkirchen an der Pram - Lebensraum Pramtal".

Das Museum ist in verschiedene Ausstellungsbereiche gegliedert, wobei das Themenmuseum im Untergeschoß des "Bilger-Breustedt Schulzentrums" einen besonderen Höhepunkt darstellt.

Eine Schwerpunktsetzung erfolgte dafür in sieben Themenfeldern:

  • Lebensraum Pramtal, Naturraum Pram
  • Spuren im Pramtal, Orts- und Regionalgeschichte, Tracht und Schmuck
  • Alltagsreligiosität, Aberglaube, Märchen und Sagen aus dem Pramtal
  • Die Geschichte der Beleuchtung - Mir ham s`Liacht kriagt
  • Erdöl - Das schwarze Gold, Anno 1906 … es begann in Leoprechting
  • Milchwirtschaft in Taufkirchen, Sommerbutter & Co, Innviertler Fleckvieh
  • Imkerei & Honigbiene

Als Sonderthema wird darüberhinaus die Restaurierung eines alten Kastenbetts aus dem Jahr 1818 anschaulich gezeigt. Dabei erfahren Liebhaber alter Bauernmöbel Wissenswertes zu den verschiedenen Schritten des Restaurierungsvorgangs.

Im Erdgeschoß des Schulzentrums lockt eine große Musikinstrumentenausstellung den musikbegeisterten Besucher nach Taufkirchen. Die Sammlung des Passauer Instrumentenbauers Otto Schmelz, die für das Museum erworben werden konnte, zeigt sehenswerte Exponate des Instrumentenbaus und widmet sich dem handwerklichen Können der Instrumentenbauer. Hörstationen erwecken die alten Musikinstrumente zu neuem Leben.

Die Bildergalerie des Museums zeigt Werke von Alfred Kubin und Max Lange. Margret Bilgers monumentales Glasfenster "Jünglinge im Feuerofen" ist ein besonderer Höhepunkt des Museumsrundgangs. Nach Voranmeldung stehen auch die Bibliothek, das Notenarchiv und die bedeutende Notgeldsammlung einem interessierten Publikum zur Verfügung.

Die umfangreiche geologische Sammlung widmet sich in einem Querschnitt dem geologischen Aufbau und den Besonderheiten der Region. Die Präsentation orientiert sich an den Lehrplänen und spannt den Bogen von der Evolution des Menschen über den Vulkanismus bis hin zum Boden auf dem Taufkirchen steht.

In den Obergeschoßen des Schulzentrums sind die Themen "Lebensraum Wald", "Lebensraum Meer", "Zeig mir Dein Gebiss und ich sage Dir, was Du frisst" und weitere naturkundliche Themenfelder für einen anschaulichen Biologieunterricht aufbereitet.

Museumsrundgang im Themenmuseum
Gleich beim Betreten des rund 250m² großen Ausstellungsraumes zieht ein groß dimensioniertes, begehbares Diorama den Besucher in seinen Bann. Storch, Bieber, Bisamratte und Co sind so präsentiert, dass man meint, direkt ihren natürlichen Lebensraum zu betreten. Der Naturraum Pram, die Wasserqualität, aber auch die Hochwasserproblematik sind weitere Aspekte, die den Themenbereich abrunden.

Vom begehbaren Diorama aus folgt die Ausstellung den ersten Spuren des Menschen im Pramtal. Im Jahr 2009 gelang erstmals der wissenschaftliche Nachweis, dass die ältesten Spuren der Mittelsteinzeit (9500-5500 v. Chr) in Oberösterreich aus dem Pramtal stammen. Die sonnige Lage an einem Hang nahe der fischreichen Pram hat die Menschen wohl veranlasst, sich hier niederzulassen.

Eine Zeitleiste leitet zu 12 Exponatkuben weiter, die vom Besucher selbst geöffnet werden können und die stellvertretend für verschiedene Geschichtsabschnitte stehen. Hinter den Türchen der Kuben verbergen sich herausragende Exponate, die stellvertretend für die Zeitabschnitte sprechen. Ein besonderer Höhepunkt der orts- und regionalgeschichtlichen Präsentation ist eine "Dietenberger Bibel" aus dem Jahr 1564. Abgerundet wird dieser Themenkomplex durch die Präsentation der zeitlosen Schönheit der Taufkirchner Tracht. Gold- und Florhaube sowie alter Trachtenschmuck entzücken das Auge des Trachtinteressierten.

Der Museumsrundgang führt weiter zum Thema Alltagsreligiosität. Für diesen Ausstellungsbereich wurden die schönsten Exponate der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung aufbereitet. Sie verweisen auf die vielfältigen christlich-religiösen Ausdrucksformen vergangener Zeiten. Eng verbunden damit ist der "Aberglaube", den Johann Wolfgang von Goethe als "Poesie des Lebens" bezeichnete. Mystisch blickt ein "Geanmaul"(Gähnmaul), das einst unheilvolle Geister abwehren sollte dem Besucher ins Auge und eine uralte "Alraune" (Alraunwurzel) weiß viel von der Heil- und Zauberkraft von Pflanzen zu erzählen. An Hörstationen erzählen Schülerinnen der Hauptschule Sagen und Märchen aus dem Pramtal.

Der anschließende Themenkomplex widmet sich der Geschichte der Beleuchtung. Zum Einstieg wartet für Jung und Alt ein "Licht-Memory", bei dem spielerisch Begriffe und Bilder von den ersten Feuerstellen zum elektrischen Licht zugeordnet werden können. Vom Kienspanhalter über Gaslampen bis zur Energiesparlampe und LED-Beleuchtung zeigen Objekte die Entwicklung des technologischen Fortschritts bis heute. Eine "Lampengalerie" macht Lust, technische Details zu entdecken. Abgerundet wird das Thema mit Feuer- und Lichtbräuchen und Redewendungen rund um das Feuer.

Anno 1906 war die Ortschaft Leoprechting Schauplatz der ersten Erdölfunde auf dem Boden des heutigen Österreich. Dies gab den Anstoß, sich mit dem Thema Erdöl - Das schwarze Gold eingehend zu beschäftigen und Denkanstöße für Jung und Alt zu geben. Objekte des täglichen Gebrauchs stehen stellvertetend für die Frage "Was besteht alles aus Erdöl?" und eine "Mindmap" macht die vielfältigen "Alternativen zu Erdöl" sichtbar. Unter dem Leitsatz: "Was tun ohne Erdöl?" sind Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene eingeladen, sich in eine Ideensammlung einzubringen, die im Museum dokumentiert wird. Viele spannende Fragen rund um das Erdöl werden in einer "Entdeckungsreise Erdöl" gestellt. Hinter großen Erdöltropfen, die durch Drehen bewegt werden können, verbergen sich die Antworten, die Wissenswertes zu Tage fördern.

Im Themenbereich Milchwirtschaft begrüßt eine lebensgroße Kuh, die in einem Schülerwettbewerb auch getauft werden soll, den Besucher und informiert über allerlei Wissenswertes und Aktuelles zur Milch. Die Geschichte der einst florierenden Molkerei Taufkirchen, der wir heute noch die Marken Schärdinger, Sommerbutter & Primina zu verdanken haben, wird von ihren Anfängen bis zu ihrer Schließung im Jahr 2000 skizziert. Objekte der Hauswirtschaft vom Butterfaß zur Zentrifuge zeigen anschaulich die verschiedenen technologische Entwicklungsschritte der Milchverarbeitung. Daneben wird die große Tradition des Innviertler Fleckviehs thematisiert.

Den Abschluss des Museumsrundgangs bildet der Themenkomplex Imkerei und Honigbiene. Die Kulturgeschichte der Bienenzucht, das Bienenland Oberösterreich und die Imkerei in Taufkirchen zeigen einen historischen Querschnitt durch das Thema. Eine Objektgalerie, zu deren Höhepunkt ein sog. "Passauer Tölpel" zählt, zieht all jene in den Bann, die sich für die technische Entwicklung der Bienenzucht interessieren. "Wissenswertes rund um die Honigbiene" ist für Bienenfreunde aufbereitet und wer eine Biene, Hornisse oder Wespe einmal genauer unter der Lupe betrachten will, ist hier genau richtig.

Fazit
Das "Museum in der Schule" zeigt seinen Besuchern einen Querschnitt durch den geologischen Aufbau, die naturräumlichen und naturkundlichen Besonderheiten sowie kulturhistorisch-volkskundliche Themenkreise, die einen tiefen Einblick in die Geschichte Taufkirchens bieten.

Das "Museum in der Schule" animiert Kinder und Schüler, spielerisch mitzumachen, nachzudenken und einfach im Museum Spaß zu haben. Es stellt auch ein ideals Familienangebot dar, gemeinsam eine Entdeckungsreise zu unternehmen.

Das "Museum in der Schule" will aber nicht nur den erwachsenen Museumsbesucher begeistern und mit gegenwartsbezogenen Fragestellung zum nachdenken anregen, sondern auch Lehrerinnen und Lehrern ein neues und einzigartiges Vermittlungstool anbieten, das den lebensnahen Unterricht bereichert und fördert.

Weiterführende Informationen

Museum in der Schule

Schulstraße 3, 4775 Taufkirchen an der Pram
Telefon: 07719/7378