Dampflokomotive 78.618

Lokpark Ampflwang - Oberösterreichisches Eisenbahn- und Bergbaumuseum
Ampflwang im Hausruckwald, Oberösterreich

Höhepunkt der Schnellzugtenderdampflokentwicklung in Österreich, international gewürdigtes Beispiel einer sparsamen aber leistungsfähigen und damals modernen Konstruktion in wirtschaftlich und politisch schwieriger Zeit. Gründungslokomotive der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (ÖGEG), einzige betriebsfähig erhaltene Lok dieser Baureihe, denkmalgeschütztes Objekt.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 wirkte sich auch auf den Maschinen- und Lokomotivbau in Österreich katastrophal aus. Von den ursprünglich vier Lokomotivfabriken mussten drei (StEG in Wien, Krauß in Linz und vorm. Sigl in Wiener Neustadt) im Jahr 1930 die Produktion schließen. Nur die Wiener Lokomotivfarbrik in Floridsdorf konnte sich halten und eine bescheidene Produktion weiterführen. Der damalige Generaldirektor Arno Demmer holte von den ehemaligen Mitbewerbern die besten Fachleute in sein Unternehmen.

Die Österreichischen Bundesbahnen entschlossen sich trotz der sehr schwierigen Wirtschaftslage im Jahr 1930 zu Planung und Bau einer neuen Tenderdampflok für Schnellzüge auf kurzen Strecken nach einem Entwurf von Oberbaurat Lehner mit der Baureihenbezeichnung 729 (DRG; ÖBB 78.600). Die Übernahme bewährter Bauelemente anderer Loks sollte für den Betrieb Wartung und Ersatzteilhaltung günstig gestalten. Insgesamt wurden von 1931 bis 1938 28 Stück gebaut und in Dienst gestellt.

Die hervorragenden Leistungen der Maschine, ihr ruhiger Lauf und ihre Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h führten dazu, dass sie nicht auf den Kurzstrecken von Wien nach Osten oder Norden, sondern auf der West- und Südbahn eingesetzt wurde und als Paradeleistungen den Arlberg- und den Orient-Express zog, Züge mit gut 400 Tonnen Gewicht benötigten von Wien nach Salzburg nur ca. 3 Stunden und 45 Minuten (zum Vergleich: aktuell bewältigt ein Schnellzug mit gleichem Gewicht, gleichen Halten und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 bis 200 km/h die Strecke in ca. 2 Stunden und 40 Minuten). In den 1950er Jahren wurden die Maschinen generalüberholt und erhielten den Giesel-Ejektor, eine österreichische Erfindung, um Dampfloks sparsamer und zugleich leistungsfähiger zu machen.

Da im Jahr 1974 in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern kein aktives Eisenbahnmuseum vorhanden war, gründete eine kleine Gruppe von Enthusiasten die ÖGEG in Linz mit dem Ziel, den Bahnbetrieb in Österreich mit betriebsfähigen Loks und passenden Waggons zu dokumentieren. Zur Gründung des Vereins wurde die letzte betriebsfähige Lok der Baureihe 78, die 78.618 erworben und aufgearbeitet. Seither hat sie viele erfolgreiche Sonderfahrten in ganz Österreich absolviert, war eine der Stars zu den Feierlichkeiten 150 Jahre Eisenbahn in Österreich 1987, für die Kaiserzüge nach Bad Ischl und im Rahmen der OÖ Landesausstellung 2006 'Kohle und Dampf', mit der das Eisenbahn- und Bergbaumuseum Ampflwang begründet wurde, das inzwischen zu den größten und bedeutendsten Eisenbahnmuseen in Europa zählt.

Die Einmaligkeit der Lok 78.618 führte zur Kategorisierung als Denkmallok, sie ist also ein technisches Denkmal mit der Besonderheit des aktiven Bahnbetriebs, zugelassen auf allen normalspurigen Bahnstrecken in Österreich. Die sorgsame Wartung und Pflege sowie den Fahrdienst leisten die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitglieder der ÖGEG.

Objektdaten
Schnellzugtenderdampflokomotive, kohlegefeuert
Maße: Länge 14,99 m, Achsfolge 2´C2´
Gewicht: 109 Tonnen
Leistung: 1.700 PS
Vmax: 105 km/h,
Einsatzbereich: Schnell- und Personenzüge auf den Strecken Wien - Salzburg / Passau, Wien - Graz, Linz - Graz, Linz - Summerau, Wien - Gmünd, Bischofshofen - Selzthal - St.Valentin / Amstetten, Wien - Krems - St. Valentin
Einsatzzeit: Plandienst 1931 bis 1974, seither im Museumsbetrieb

Lokpark Ampflwang - Oberösterreichisches Eisenbahn- und Bergbaumuseum
Bahnhofstraße 29
4843 Ampflwang
+43/ 664 5087 664
ampfllwang(kwfat)oegeg(kwfdot)at

ÖGEG
Postfach11
4018 Linz
www.oegeg.at

Bildnachweise:
Foto: Stefan Lueginger, ÖGEG