An Kreisler scheiden sich die Geister, von den einen wird er verehrt, von den
anderen abgelehnt. Kreisler hatte bereits in jungen Jahren eine spezielle warme
Tongebung entwickelt, mit der er seine Zuhörer in Bann schlug. Zusammen mit seinen
Kompositionen gab er dem Geigenspiel des 2o. Jahrhunderts entscheidende Impulse.
Dieser warme schmelzende Ton entsprach dem legendären Alt-Wiener Geigenklang, der
von Josef Mayseder über Hellmesberger an Kreisler weitergegeben worden war.
Schon im Alter von 4 Jahren bekam Fritz Kreisler Violinunterricht. Mit 7 Jahren
wurde er von Josef Hellmesberger jun und Anton Bruckner unterrichtet. Am Pariser
Konservatorium studierte er bei Delibes und Massenet und erhielt mit 12 Jahren die
höchste Auszeichnung des Pariser Konservatoriums.
Mit dem Pianisten Moriz Rosenthal trat er 1888/89 seine erste Konzerttour durch
Amerika an, der noch viele folgen sollten. In manchen Jahren gab er 25o Konzerte.
Nach Stationen in Wien, Berlin und Paris, ging er 1939 nach Amerika, wo er bis zu
seinem Lebensende lebte.
Bis heute bekannt sind Kreislers Charakterstücke für Violine und Klavier,
insbesondere die drei Alt-Wiener Tanzweisen Liebesfreud, Liebesleid und Schön
Rosmarin. Edward Elgar widmete Kreisler sein Violinkonzert und Eugène Ysaye widmete
ihm die 4. seiner 6 Solo-Sonaten.