Der RAUM WAGEN am NORDICO-Vorplatz

© Norbert Artner

Wege zum Glück. Linz neugedacht und selbstgemacht

Museum innovativ

Die Ausstellung "Wege zum Glück" im NORDICO Stadtmuseum Linz beschreitet einen ungewöhnlichen Weg. Sie versucht mit Begriff  des Glücks etwas zu fassen, dem man eigentlich nur schwer habhaft wird. Es geht um neue Begegnungen, um das Ausschöpfen von urbanem Potential, ums Ausprobieren, Kreativ-Sein und Selber-Machen. Der ungebrochene Do-it-Yourself-Trend zeugt davon ebenso wie zahllose Kursangebote im On- und Offline-Bereich. Menschen finden sich zusammen in sozialen Netzwerken oder aber auch im Schaffen von Räumen und dem gemeinsamen Tun. Hinter diesen Aktivitäten stehen Fragen nach Selbsterfüllung, Lebenssinn und einer bewussten Auseinandersetzung mit den eigenen Wertvorstellungen.

Im Rahmen der Schau Wege zum Glück. Linz neugedacht und selbstgemacht werden rund 35 Projekte von SelbermacherInnen und NeudenkerInnen vorgestellt, die von Nachbarschaft, Gemeinschaft, nachhaltiger Ernährung, interdisziplinärer Nutzung des urbanen Raums, Innovation und Selbstermächtigung erzählen. Die Stadt wird zum Experimentierfeld, aus Eigenantrieb entsteht Vielfalt. Der Fokus liegt dabei klar auf Linz, es kommen aber auch BewohnerInnen anderer Städte zu Wort.


Das NORDICO Stadtmuseum Linz lädt im Rahmen der Ausstellung und mit zahlreichen Begleitveranstaltungen zum Mitmachen ein: Ein open lab ist Begegnungsraum und Experiment, bei Stadtspaziergängen und Workshops werden urbane Gemeinschaften erlebbar. Im Idealfall entstehen neue Denkanstöße, Netzwerke und Communities: Stadt selber machen ist das Motto.

Im Linzer Zimmer ist ein Ausstellungsbeitrag der Kunstuniversität Linz, Siebdruckwerkstatt Monika Pichler, zum Thema GLÜCKSORTE zu sehen. Der Beitrag der Studierenden lädt dazu ein, sich selbst auf die Suche nach dem Glück zu machen.

Auch am NORDICO Vorplatz macht sich die Ausstellung bemerkbar: Der RAUM_WAGEN, das knallrote mobile Raumaktivierungswerkzeug von Hannah Kordes, steht bis 8. Juli für verschiedene Veranstaltungen bereit. Die Kombination aus Kostnixladen und Bücherschrank soll dazu anregen, nicht Gebrauchtes dazulassen und/oder etwas Neues mitzunehmen. Außerdem wird die erste Fahrradservicestation in Linz im Rahmen der Ausstellung vor dem NORDICO installiert.


Die Idee zu diesem inspirierenden Projekt stammt von Klaudia Kreslehner, Kuratorin am NORDICO Stadtmuseum Linz. Wir haben sie gefragt, was die ausschlaggebende Idee zu dieser Ausstellung war und ein wesentliches Moment liegt in der persönlichen Neugierde und dem starken Willen auch bis dato unbeschrittene Wege zu erkunden: Für Klaudia Kreslehner war der persönliche, praktische Startschuss für WEGE ZUM GLÜCK das eigene Upcycling-Fahrradprojekt: Das alte Fahrrad, schon ziemlich mitgenommen, aber an dem das Herz seit Studienzeiten hing, hatte die Fahrtüchtigkeit gänzlich aufgegeben. Im Rahmen eines letzten Rettungsversuchs wurde der Drahtesel ohne Vorwissen gänzlich auseinandergenommen und "mit viel Liebe zu einem neuen Lieblingsstück aufgewertet", mit dem nun der tägliche Weg zur Arbeit bestritten wird. Dabei kamen bereits einige Netzwerke zum Einsatz: Die Hilfe des Nachbarn im Rahmen der Initiative "FragNebenan" und weiteres, technisches Fachwissen aus der "Bikekitchen Linz", die ebenfalls in der Ausstellung vorgestellt wird.

"Ich bin neugierig und probiere selbst gern Neues aus. Ich kann mich für spannende Dinge begeistern und interessiere mich für die verschiedensten Bereiche, ich packe gern an und denke aber auch gern nach… Neue Möglichkeiten zu denken und auszuprobieren reizt mich dann besonders, wenn dabei spannende Verbindungen entstehen und sich dadurch neue Wege eröffnen - thinking outside of the box!"

Klaudia Kreslehner findet Menschen großartig, die hier wegweisend sind, und die aus einer Leidenschaft und Überzeugung heraus handeln und Dinge anpacken: "Es geht für mich dabei um Inspiration und Begeisterung und auch darum, nicht den Mut zu verlieren, positive und konstruktive Ansätze zu verfolgen. Natürlich ist die Welt nicht rosarot und das Glück liegt oft nicht auf der Straße - aber man kann durchaus dazu beitragen, kleine Impulse zu setzen und dadurch die Antworten auf die Fragen "Wohin wollen wir gehen?", "Welche Werte zeichnen eine lebenswerte Stadt aus?" oder "Können wir unser Glück selbst machen?" zu finden."


Themen in der Ausstellung

Die Ausstellung teilt sich in vier verschiedene Themengebiete: mitMENSCHEN, LEBENSmittel, zwischenRAUM und selberMACHER/INNEN.

mitMENSCHEN

Der Ausstellungsraum zum Thema mitMENSCHEN erzählt von Nachbarschaft, Gemeinschaft und Zusammenleben im urbanen Raum.

Manchmal ist schenken, tauschen oder teilen nur einen Mausklick entfernt, wie bei der Plattform FragNebenan, die in allen Hauptstädten Österreichs zugänglich ist. Eine analoge alternative Plattform aus der Schweiz nennt sich pumpipumpe: einfach Sticker mit abgebildeten Symbolen von Haushaltsgeräten über Werkzeug an den eigenen Briefkasten kleben und damit Bereitschaft zum Ausleihen signalisieren.

Um MigrantInnen in ihrer neuen Heimat zu unterstützen, haben sich viele Initiativen gebildet darunter: KAMA (Kurse von Asylsuchenden, MigrantInnen & Asylberechtigten), migrare, Neue Nachbarn oder More: Zeichenworkshop.

Von jung bis alt: Generationenübergreifende Berührungspunkte, sowie Arbeitsplätze für ältere Mitmenschen zu schaffen hat sich das Café Vollpension aus Wien zur Herzensangelegenheit gemacht: Dort arbeiten ältere mit jüngeren Menschen zusammen und servieren mit viel Liebe Omas Apfelstrudel.

Die LinzerLerntafel steht in ihren Startlöchern und will Kindern und Jugendlichen die kostenlose Möglichkeit zur Nachhilfe anbieten. City of Respect macht auf respektvollen Umgang miteinander vor allem im öffentlichen Raum aufmerksam.

LEBENSmittel

Eine Stadt hat andere Gegebenheiten und Anforderungen als eine Gemeinde am Land. Vieles was schon lange Bestandteil ländlicher Gemeinschaften ist, muss in einer urbanen Umgebung neu erfunden werden.

Einkaufsgemeinschaften sollen es Stadtbewohnern erleichtern, unkompliziert an fair und regional produzierte Lebensmittel zu kommen, die dann ohne lange Transporte frisch im Kistl mit den Öffis oder dem Fahrrad abgeholt werden können. Lokale Initiativen sind das Franck Kistl, die Linzer Einkaufsgemeinschaft oder etwa die Leisenhofgärtnerei mit dem Verein für Stadtnahe Ernährung.

Eine besonders gute Idee für Wiederverwertung von Ressourcen hatten die Gründer der Wiener Pilzmanufaktur Hut & Stiel. Mit dem Lastenfahrrad wird der Kaffeesud direkt von den Kaffeehäusern abgeholt, um daraus Speisepilze zu züchten, die dann wieder weiterverkauft werden.

Zero Waste ist ein wichtiges Schlagwort in unserer Zeit: Ich als Konsument kann entscheiden, wieviel Müll ich produziere und wie ich Verschwendung vermeiden kann. Hier hat sich in Österreich und in Deutschland eine tolle Gemeinschaft von LebensmittelretterInnen (foodsharing) gegründet. Die LebensmittelretterInnen stehen in Kooperation mit Kaufhäusern, von denen sie nicht mehr gebrauchte Ware abholen und in sogenannten Fairteilern an öffentlich zugänglichen Plätzen zur freien Entnahme zur Verfügung stellen. Auch die Zqetschte Zwetschkn rettet Obst und Gemüse vor der Mülltonne und kocht ein, was übrig bleibt.

Eine ähnliche Motivation hat eine Einrichtung, die 1999 in Linz gegründet wurde und nun über Österreich hinaus erfolgreich wirksam ist: SOMA - der Sozialmarkt. Hier werden professionell organisiert Lebensmittel von Einkaufsketten gerettet und zum günstigen Preis an Menschen mit geringem Einkommen abgegeben oder im hauseigenen Café verarbeitet.

Dass Honig auch in der Stadt produziert werden kann zeigt uns das Projekt LinzerBiene, das gleich an mehreren Standorten in Linz ihre Bienenstöcke eingerichtet hat.

zwischenRAUM

In Linz gibt es einige Initiativen, die Raum für verschiedenste zwischenmenschliche Projekte geschaffen haben: OTELO das offene Technik Labor mit Sitz in Auwiesen, der Luft*Raum, der Raum für "eigentlich fast alles" bietet und mehrere Vereine beherbergt, oder das Willy*Fred, das gemeinschaftlichen Wohnraum in Selbstverwaltung bietet.

Eine flexible Variante der Raumnutzung ist der RAUM_WAGEN, das knallrote mobile Raumaktivierungswerkzeug von Hannah Kordes, das sie mit viel Liebe in Eigenregie aus einem alten Feuerwehrwagen gebaut hat. Der RAUM_WAGEN steht bis 8. Juli am NORDICO Vorplatz und ist Teil von verschiedenen Veranstaltungen und Workshops.

Platz für künstlerisches Arbeiten bieten das Egon-Hofmann-Haus - ein Atelierhaus für KünstlerInnen - als auch das RAUMSCHIFF, der Verein zur Vermittlung von zeitgenössischer Kunst und zur Förderung von interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Der Verein VELODROM möchte in Linz die Situation für RadlerInnen verbessern und sucht aktuell nach einem Raum für eine sportliche Radrennbahn.

Das Projekt Turmeremit macht seit 2009 Station im Mariendom Linz und bietet die Möglichkeit dort die Einsamkeit als Schlüssel zum Glück zu erproben.

SALON Franziska aus Salzburg erschafft und strukturiert Räume mit ihren Kommunikationsmöbeln völlig neu.

selberMACHER/INNEN

In der Linzer Bikekitchen kann man sein Fahrradprojekt zusammen mit anderen verwirklichen. Interessierte erhalten Hilfe zur Selbsthilfe, für alle Fragen rund ums Fahrrad. Auch die Nähküche verfolgt ein ähnliches Prinzip: Nähmaschinen und Unterstützung werden gerne beim Schneidern und Upcyclen von Kleidung angeboten.

Der Upcycling-Schmuck von Schwarzwaldgold zeigt wie aus vermeintlichem Müll kleine Schätze hergestellt werden können. frauklarer baut ungewöhnliche Möbel aus Beton und das papplab zeigt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Karton. Die Stadt am T-Shirt: die Raubdruckerin Emma-France Raff aus Berlin bringt den Kanaldeckel von der Straße auf den Stoff.

Zusätzlich zur Ausstellung wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm angeboten, das zum Mitmachen bei außergewöhnlichen Projekten einlädt. Infos dazu sind auf der Website des NORDICO Stadtmuseum Linz abrufbar.


"WEGE ZUM GLÜCK. Linz neugedacht und selbstgemacht" kann vom 9. Juni bis 5. November 2017 im NORDICO Stadtmuseum Linz besucht werden.


Museumsinformation

NORDICO Stadtmuseum Linz

Dametzstraße 23, 4020 Linz
Telefon: 0732/7070-1912
Internet: www.nordico.at