Die Speerscheide - Von der Vorzeichnung ...

© Erwin Gruber

Wie kommt eine Wikinger-Rüstung ins Sattlermuseum?

Museum innovativ

Der Weg der Waräger-Rüstung ins Museum

Das Sattlermuseum ist seit dem Jahr 2015 im Besitz einer originalgetreuen Nachbildung einer Waräger-Rüstung (ungefähr 9. - 12. Jh.). Diese ist eine Schenkung von Erwin Gruber aus St. Andrä im Lavanttal in Kärnten. Erwin Gruber, in der Mittelalter-Szene unter dem Namen "Eirin der Lederer" bekannt und seit 2010 aktiv, fertigte sämtliche für die Rüstung anfallenden Lederutensilien. Schon von klein auf interessierte er sich für das Handwerk und wurde schließlich Schlossermeister. Dann trieb es ihn als Monteur in die Welt hinaus. Trotz seines unsteten Lebens auf Montage, hat er, wann immer es möglich war, sein Leder-Hobby ausgeübt und sich mit dem Material Leder mehr und mehr auseinander gesetzt. Entstanden sind ab 1990 Messerscheiden, Holster, Gürtel, Taschen und kleinere Lederobjekte für seine Freunde und Bekannten in der Biker- und Country-Szene.

Eine seiner bedeutendsten Lederarbeiten ist die Replik einer Waräger-Rüstung, die nach originalgetreuen Motiven und Lamellenmaßen der "Rus-Wikinger" in Handarbeit gefertigt und in Freihandtechnik punziert wurde. Alle Rüstungsteile bestehen aus 3,5 bis 4 mm starken Blankleder (rein pflanzlich gegerbtes Rindsleder). Die Lederteile wurden erst nach dem Zuschnitt und den Punzierarbeiten mit Lederfarbe gefärbt und versiegelt. Alle 5000 erforderlichen Löcher wurden mit einer Hohlnadel (1mm) von Hand vorgestochen. Für die Herstellung von Brustpanzer (120 Stunden), Brillenhelm (90 Stunden), Umhängetasche (25 Stunden), Klingenschutz für "Dänenaxt" (25 Stunden), Waffengurt, Axtscheide und Speerschutz (100 Stunden) wurden insgesamt ca. 360 Stunden Arbeitszeit aufgewendet.

Wer waren die Wärager?

Die Slawen bezeichneten die Wikinger, die sich in Russland festsetzten, als "Rus". "Waräger" nannten sie hingegen jene Wikinger, die als Söldner, hauptsächlich im byzantinischen Reich, oder als Händler tätig waren. Der bekannteste Waräger war der norwegische König Harald der Harte. Das Ende der Garde kam 1204, als auch sie trotz tapferer Gegenwehr die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer nicht verhindern konnte.


Das Sattlermuseum stellt die Rüstung permanent im Seminarraum aus und kann von allen Besuchern dort bewundert werden.

Wer selbst einmal mit Leder arbeiten möchte, der kann im Museum Kurse zur Lederverarbeitung buchen. Das Kursangebot reicht von der Messerscheide über kleine Taschen bis zum Erlernen der Punziertechnik.

Autor: Josef Wieser (Leiter des  Österreichischen Sattlermuseums)

 

Weitere Informationen zum Sattler- und Lederhandwerk sowie zu den angebotenen Kursen erhalten Sie unter www.sattlermuseum.at


Museumsinformation

Österreichisches Sattlermuseum

Ipfmühlstraße 15, 4492 Hofkirchen im Traunkreis
Telefon: 0699/10668323