Marco Prehsegger spaltet ein Holzsegment mit Keilen aus Buchenholz, die er mit einem schweren Holzhammer eintreibt.

© Wolfgang Lobisser, VIAS

Die Halle von Mitterkirchen

Museum Innovativ

Im Keltendorf Mitterkirchen wird zur Zeit ein neuer Großbau errichtet, der im Museum multifunktional als Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich genutzt werden kann. Der Großbau orientiert sich weitgehend an einem archäologischen Grabungsbefund von der Heuneburg in Süddeutschland, wo man einen Pfostenbau nachweisen konnte, dessen Kernbereich eine Länge von 21,0 m und eine Breite von 8,6 m aufwies und der auch - offenbar später hinzugefügte - seitliche Anbauten aufwies. Das Rekonstruktionsmodell im Maßstab 1:1 in Mitterkirchen bezieht sich auf den oben bezeichneten Kernbereich.

Ein Pfostenbau ist dadurch gekennzeichnet, dass seine tragenden vertikalen Bauelemente - die Pfosten - in den Boden eingetieft wurden, wodurch man eine hohe Standfestigkeit von Gebäuden erreichen konnte. Zumeist verwendete man für die Pfosten selbst Eichenholz, das sich auf Grund seines hohen Gerbsäuregehalts durch große Dauerhaftigkeit auszeichnet. Die Bereiche zwischen den Pfosten wurden entweder durch horizontal liegende Bauelemente - so genannte Querriegel - oder durch senkrechte Hölzer geschlossen, die ihrerseits das Aufgehende und zusammen mit den Pfosten die Wände bildeten. Anstelle der Wandhölzer konnte man Wände auch aus Flechtwerk herstellen, welches durch Lehmverputz abgedichtet wurde.

Das Gebäude verfügte über sieben Firstpfosten, die zusammen mit den Wänden den Dachstuhl trugen, der mit großer Wahrscheinlichkeit aus Pfetten, Rofen und Lattenhölzern bestand. Die Wände selbst waren mit Binderbalken verbunden, die auch als Auflager für einen Zwischenboden gedient haben könnten. Für die Dachdeckung selbst dürfen wir an gespaltene Schindel denken, die durch Nägel aus Holz oder aus Eisen an den Lattenhölzern befestigt waren. Die Werkzeuge der Kelten waren aus Eisen geschmiedet. Man kannte Äxte und Beile in unterschiedlichen Größen, Dechsel, Stemmbeitel, Hohleisen, Löffelbohrer, Ziehmesser und Ahlen. Es gibt auch Hinweise, dass Sägen und Hobel bereits eine Rolle gespielt haben könnten.

Bei der Errichtung des neuen Großbaus sollen vor allem Rohmaterialien und Arbeitstechniken eingesetzt werden, die bereits in der Eisenzeit zur Verfügung standen. Keltische Werkzeugtypen sollen bei den Aufbauarbeiten soweit eingesetzt werden, dass die dabei gewonnenen wissenschaftlichen Daten seriöse Hochrechnungen zu den Originalerrichtungsbedingungen in keltischer Zeit erlauben. Alle Holzverbindungstechniken und auch alle Arbeitsspuren und Holzoberflächen entsprechen der eisenzeitlichen Handwerkskultur. So wird es möglich sein, die Errichtung eines derartigen Großbaues in keltischer Zeit aus wissenschaftlicher Sicht neu zu beurteilen, um damit ein besseres Verständnis für die Lebenswirklichkeit dieser Kultur zeichnen zu können, das in der Zukunft auch an Museumsbesucher weiter vermittelt werden kann.


Weitere Informationen auch zum Fortgang des Baus erhalten Sie unter

www.medionemeton.at/blog

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