... im neuen Depot.

© Gunter Bittermann

21.000 Objekte siedeln um!

Museum innovativ

An die 21.000 Objekte zählt das Steyrer Stadtmuseum in seinem Bestand. Deren Verwahrung war lange Zeit mangelhaft, da diese große Anzahl viel Platz und sachgerechte Lagerung verlangte. Diesen Ansprüchen konnte nicht entsprochen werden. Es fehlte an den notwendigen räumlichen Gegebenheiten und finanziellen Mitteln, um eine sachgerechte Lagerung zu bewerkstelligen. Viel Wasser musste Enns und Steyr runterfließen, bis wichtige Schritte für das Steyr Stadtmuseum gesetzt werden konnten. Der große Fundus an Objekten, den das Museum beherbergt, bekommt ein neues Zuhause. Die Stadt Steyr adaptiert den ehemaligen Theaterkeller im Gebäude des Steyrer Stadtsaales als Depot. In Zukunft werden an die 310 m² Depotfläche zur Verfügung stehen.

Wie kam es zu diesem wichtigen Entschluss?

Schon längere Zeit ist man sich bewusst, dass die Lagerung und Unterbringung des Bestandes nicht den aktuellen Kriterien entspricht, die es für eine ordentliche Verwahrung von Musealien einzuhalten gilt. Die Museumsmitarbeiter mussten in letzter Zeit mit dem Platzmangel in den für die Lagerung unzureichenden Räumlichkeiten zurechtkommen.

Lange konnte kein Geld für die Schaffung eines Depots zur Verfügung gestellt werden. Diese Situation änderte sich nun, da es gilt, die Stadt Steyr als Ausstellungsort für die Landesausstellung im Jahre 2021 fit zu machen. Dieser Impuls bewirkte, eine Sanierung des Stadtmuseums in den Gebäudekomplexen Neutor und Innerberger Stadl anzugehen, mit dem Ziel, die Sammlung in einem zeitgemäßen Rahmen darstellen zu können. Das ist mehr als notwendig, denn die derzeitigen Gegebenheiten entsprechen in keiner Weise den Erwartungen eines Besuchers an ein modernes Museum. Mit einem entsprechenden Depot kann das Steyrer Stadtmuseum seiner Verantwortung als Institution gegenüber der Gesellschaft, nämlich seine Sammlung über Generationen hin zu präsentieren, damit zu forschen und zu bewahren, besser erfüllen!

Die Vorteile des neuen Depots

Das Depot kann der Aufgabe, die klimatischen Bedingungen, das bedeutet eine ideale Temperatur und eine relative Luftfeuchtigkeit von zirka 60%, für eine dauerhafte und zerstörungsfreie Aufbewahrung zu garantieren, gerecht werden. Die Belastung durch Licht lässt sich minimieren. Die leichte Erreichbarkeit gewährt einen sicheren Transport der Objekte im und zum Depot. Das ist auch im Hinblick auf den zukünftigen Leihverkehr von großer Bedeutung. Bedenkliche Objekte können in einem Quarantäneraum bis zur Sicherstellung ihrer weiteren Nutzung zwischengelagert werden. Sensibles Fotomaterial wird in einem speziell adaptierten Raum optimal gelagert werden, in dem sich die Temperatur absenken lässt. Die Sicherung des Gebäudes garantiert einen sehr guten Schutz vor Einbruch und Vandalismus. Hinzu kommt die gute Lage des Standortes, da hier die Gefahr eines drohenden Hochwassers nahezu auszuschließen ist. Zusammen mit der guten Zugänglichkeit und der Ausarbeitung eines optimierten Notfallplanes können im Falle einer Katastrophe rasch die richtigen Schritte zur Sicherung der Sammlung gesetzt werden.
Nun beschreitet die Stadt Steyr durch die Schaffung des Depots einen Weg in Richtung Qualitätssteigerung des Standortes Museum der Stadt Steyr und mehr Verantwortung gegenüber seinem kulturellen Erbe.

Viel zu tun!

Die Umsiedlung des Bestandes in das neue Depot bedeutet auch viel Arbeit. Begleitend zur Verlagerung wird die Bestandsaufzeichnung, die in Karteikarten vorhanden ist, digitalisiert. Das bedeutet, jedes Objekt wird begutachtet, fotografiert und vermessen. Die Daten werden sodann in die vom Verbund Oberösterreichische Museen betreute Museumsdatenbank MUKO eingegeben. Der Vorteil liegt in Zukunft darin, dass der Bestand für anstehende museale Tätigkeiten leichter zu bearbeiten sein wird.

Die Fertigstellung des Depots erfolgt in Etappen. In der ersten Phase werden die Arbeitsstätten, der Bilderauszugsrahmen und die in diesem Abschnitt geplanten Regale fertiggestellt. Nach entsprechenden Reinigungsarbeiten kann dieser Bereich, der abschließbar ist, von weiteren Umbauarbeiten im Depot abgeschirmt und befüllt werden.

Gleichzeitig werden von den Mitarbeitern des Museums die ersten Objekte für den Transport vorbereitet. Damit ist eine Kontrolle des Objektes verbunden, da es zu klären gilt, wo etwaige Gefahrenstellen liegen und wie man das Objekt sicher bewegen kann. Man muss sich im Klaren über die ganzen erforderlichen Arbeitsschritte sein. Sobald das Objekt in das Depot verbracht wird, muss der neue Standort bereit sein. Dabei ist sicher die große Vielfalt der Sammlung des Museums eine Herausforderung, handelt es sich doch um ein Universalmuseum - zwischen dem Stoßzahn eines Mammuts und der Glühbirne, die Steyr im Jahre 1884 zum ersten Mal elektrisches Licht schenkte - finden sich weitere zehntausende Objekte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Die fachgerechte Verortung der Musealien im Depot fügt sich als weitere Aufgabe hinzu.

Mitarbeiter des Magistrates werden den Transport durchführen. Danach erfolgt die Kontrolle der gelieferten Gegenstände auf Zustand und Vollständigkeit, dann die systematische Verteilung der Objekte im Depot und die begleitende Dokumentation mit  dem MUKO. Die Umsiedlung geschieht in Etappen, da die Personalbereitstellung so am effektivsten ist und man die gelieferten Bestände in der einzuhaltenden Sorgfältigkeit weiter bearbeiten kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die Objekte so wenig wie möglich zu bewegen, um die damit verbundene Belastung größt möglich zu minimieren. Nach der Umsiedlung der Bilder wird man die Objekte nach den Gesichtspunkten der notwendigen Lagerungsvoraussetzungen auswählen.

Die Sammlung des Stadtmuseums wächst ständig. Es gilt daher die Ressource "Platz" immer im Auge zu behalten. Das Stadtmuseum verfügt im Gebäude selbst über ein Depot, dieses wird natürlich auch später, nach Fertigstellung des neuen Depots genützt werden. Hier sollen in Zukunft Objekte gelagert werden, die keine besonderen Ansprüche an das Raumklima stellen. Mit dieser Strategie wird das Museum voraussichtlich für längere Zeit über genügend Platz verfügen.

Ein wichtiger Punkt, der im Rahmen des Museumsumbaus und der Depotschaffung auf der Agenda steht, ist der Schutz der Objekte vor Schädlingen. Hier wird mit einer Fachfirma zusammengearbeitet, um diese in Zukunft bestmöglich vor einer Zerstörung zu bewahren.

Die Schaffung eines Depots für die Schätze des Stadtmuseums Steyr ist mit ein Teil des umsichtig angelegten "Relaunches" des Museums. Es war schon dringend an der Zeit, die Konzeption dieser Institution neu zu überdenken und für die nächsten Jahre zu definieren. Dann wird die beeindruckende Sammlung, die "Zeugnisse" der Vergangenheit, die dieses Haus beherbergt, wieder viele interessierte Besucher anziehen.

Autor: Mag. Gunter Bittermann (Leiter der Inventarisierung im Museum der Stadt Steyr)

Museumsinformation

Museum der Stadt Steyr

Grünmarkt 26, 4400 Steyr
Telefon: 07252/575-348 (Stadtamt)
Internet: www.steyr.at