Pfähle an der Abbruchkante der Sprungturmgrube, Seewalchen

© Kuratorium Pfahlbauten

Ab in den Container! Ein neuer Lösungsweg zur konservatorischen Erstversorgung für organische Nassfunde

Museum innovativ

Seit der Ernennung von fünf österreichischen Pfahlbaustationen zum länderübergreifenden Welterbe im Jahr 2011 durch die UNESCO (vier davon in Mond- und Attersee, eine im Keutschacher See in Kärnten) wurde die Pfahlbauforschung in Österreich wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Durch die Zusage einer themenbezogenen Landesausstellung im Jahr 2020 wird nun auch entsprechende Forschung möglich sein. Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen des Projektes Zeitensprung - einer Kooperation des Oberösterreichischen Landesmuseums mit dem Kuratorium Pfahlbauten - unterwasserarchäologische Ausgrabungen begonnen. Im März und Oktober 2015 wurde in der Sprungturmgrube in Seewalchen am Attersee erstmals seit 40 Jahren in Oberösterreich wieder eine archäologische Unterwassergrabung durchgeführt, bei der erwartungsgemäß auch viele wassergetränkte organische Funde (Holzpfähle, Bucheckern, Haselnüsse etc.) zutage getreten sind.


Wassergetränkte organische Funde sind immer eine Herausforderung - für Archäologinnen und Archäologen genauso wie für Restauratorinnen und Restauratoren. Diese Funde sind besonders empfindlich und fragil, weshalb sie bereits bei ihrer Bergung durch Forschungstaucherinnen und -taucher besonderer Aufmerksamkeit - auch schon durch Restauratorinnen und Restauratoren - bedürfen. Einmal geborgen ist es für diese Fundgattung besonders wichtig, dass die Umgebungsparameter ihrer temporären Lagerung bis zu einer Konservierung möglichst den Bedingungen unter Wasser, wo sie geborgen wurden, entsprechen. Ein unkontrolliertes Austrocknen solcher Funde führt meist zu ihrer kompletten Zerstörung. Es ist also von großer Wichtigkeit, wassergetränkte organische Funde weiterhin unter Wasser aufzubewahren - möglichst lichtgeschützt und kühl, damit biologischer Befall (z. B. das Wachstum von Algen) gering gehalten werden kann.

Da das Oberösterreichische Landesmuseum nicht über entsprechende Räumlichkeiten mit Wasserbecken und Kühlmöglichkeiten verfügt, die diesen Anforderungen entsprechen, musste kurzerhand ein entsprechendes "Ausweichquartier" gefunden werden, das bestmögliche Bedingungen für den Erhalt der Hölzer und sonstigen organischen Materialien garantieren konnte. Gemeinsam mit der Firma kurecon wurde deren Kulturgutrettungscontainer für diese speziellen Bedürfnisse adaptiert.


Der an sich zum Auslagern von "normalen" Museumsobjekten konzipierte Klimacontainer wurde zusätzlich mit einer Edelstahlwanne für größere Objekte ausgestattet, in der bis zu zwei Meter lange Pfähle schwimmend in Wasser, das umgewälzt und gereinigt wird, gelagert werden können. Alle kleineren Objekte sowie die Bohrkerne der Sedimentuntersuchungen können in kleinen Wannen bzw. auf Regalböden in Kragarmregalen gelagert werden.

Der Container hat den zusätzlichen Vorteil, dass er zu den Ausgrabungen mitgenommen werden kann - vorausgesetzt ein entsprechender Transport-LKW und ein Kran können zufahren. Die Stromversorgung kann z. B. auch über ein Stromaggregat erfolgen. Zudem lässt sich der Container sehr gut als Werbefläche einsetzen.

Bevor im Lauf des Jahres mit der Konservierung der organischen Funde begonnen werden kann, werden diese noch exakt dreidimensional dokumentiert, damit alle Details auch während der Konservierung der Objekte, die mehrere Monate dauern wird und während der die Objekte für Archäologinnen und Archäologen nicht greifbar sein werden, zur archäologischen Auswertung bestmöglich zur Verfügung stehen.

Autorin: Heike Rührig (Restauratorin am Oberösterreichischen Landesmuseum)

www.pfahlbauten.at

www.pfahlbauten.at/projekte/zeitensprung

Museumsinformation

Schlossmuseum Linz des OÖ. Landesmuseums

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