Festwoche "10 Jahre Österreichisches Sattlermuseum"

Museum innovativ

Der Reitsport ist heute weit verbreitet und sehr beliebt. Aber wer kennt noch einen Sattler, der Zaumzeug, Sattel und Geschirr herstellt? Das Sattlermuseum in Hofkirchen im Traunkreis - das Einzige seiner Art im europäischen Raum - setzt sich für die Bewahrung und Verbreitung des Sattlerhandwerks seit 2005 auf vielfältige Weise ein. Heuer feiert das Museum also sein 10-jähriges Jubiläum und die Verantwortlichen bereiten sich seit Monaten darauf vor, schließlich ist ein umfangreiches Programm geplant.

Private Sammlung als Grundstein

Wie hat alles begonnen? Ganz einfach: Mit der Idee! In einem Kellerraum eines privaten Wohnhauses entstand 2005 eine kleine Erinnerungswerkstätte an die über Generationen währende Sattlertradition der Hausbesitzer. Die Familie des letzten verstorbenen Sattlers im Dorf wollte damit an ihre berufliche Wurzel erinnern, die bis vor das Jahr 1800 zurückreicht und bis 1970 andauerte. Auf 40 m² sollten zunächst die übrig gebliebenen Objekte der letzten Sattlerwerkstätte ihren würdigen Platz finden. Hier sind die Anfänge des Museums zu suchen.

Über acht Jahre wurde die Idee "Sattlermuseum" von der Familie des letzten Sattlers im Dorf Hofkirchen im Traunkreis getragen. Bereits 2005 wurde aber das erste Sattler-Treffen veranstaltet, das bisher jährlich viele Besucher aus dem deutschsprachigen Raum anzog. Die Initiative Kultur in der Werkstatt fand mehrere Jahre statt und fand großen Anklang in der örtlichen Bevölkerung. Regionale Literaten und Musiker wurden zu diesen Abenden eingeladen.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine leidenschaftliche Sammeltätigkeit. Und weil der Sammelbestand sich ständig vergrößerte und mittlerweile auf über dreitausend Objekte angewachsen ist, war es der Wunsch von Familie Wieser, diese Sammlung zu erhalten und für Besucher interessant zu nutzen.

Fachbibliothek zum Thema Sattlerei

Die nächste Idee war 2013 die Vereinsgründung. Seit der Vereinsgründung engagieren sich alle Vorstandsmitglieder an der Umsetzung der Vision "Sattlermuseum". Die neun Vorstandsmitglieder tragen nicht nur die Verantwortung über eine im europäischen Raum einmalige Sammlung an Objekten, sondern auch für eine einzigartige Fachbibliothek zum Thema Sattlerei.

Zahlreiche Kooperationen

Mit zahlreichen Initiativen und Kooperationen wollen die Verantwortlichen die Qualität steigern und für die Besucher ein spannungs- und erlebnisreiches Ensemble im Museum bieten. Das Österreichische Museumsgütesiegel gibt dabei die Richtung vor. Da dies nicht alles vom Verein allein zu meistern ist, holten sich die Verantwortlichen Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen zur Unterstützung. Zu den bisherigen Kooperationspartnern zählten die FH Eisenstadt für Bibliotheksmanagement, die FH Graz, die HTL für Bau und Design in Linz oder die HLW für wirtschaftliche Berufe in Steyr. Auch eine Praktikantin der HLW für Kommunikation und Mediendesign der Kreuzschwestern in Linz bringt ihre Kompetenzen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit ein. Der Verein sieht in den zahlreichen jungen Menschen, welche derzeit mitarbeiten, eine große Bereicherung für das Museum, die in allen Belangen einen ganz neuen Schwung bringt.

Eröffnung der ersten Dauerausstellung

Der Mittelpunkt aller Aktivitäten rund um das 10-Jahresfest, das von 24. bis 30. August 2015 stattfindet, ist die Eröffnung der ersten professionell konzipierten Ausstellung auf einer Gesamtfläche von ca. 250 m², die von einer Studentengruppe der FH Graz für Museums- und Ausstellungsdesign unter der Leitung von Dr. Erika Thümmel geplant und umgesetzt wurde. Der Sattler, wie er lebte und arbeitete, steht im Mittelpunkt der Präsentation, die als Dauerausstellung und als Wanderausstellung konzipiert wurde.
Am Festtag, dem 30. August 2015, wird der örtlichen Bevölkerung mit einem Festgottesdienst, Frühschoppen, Schauhandwerkern, einem Kinderprogramm, Fahrmöglichkeit mit Waffenrädern und einem Themenweg die Möglichkeit zum ausgiebigen Mitfeiern geboten.

Symposium für Lederkünstler

In Zusammenarbeit mit Frau MMag. Verena Kroupa von der Kunstuniversität Linz und der HLW Steyr, Fachrichtung Kultur und Veranstaltungsmanagement, wurde für die Woche vor dem Fest das 1. Sommersymposium für Lederkünstler organisiert. Dazu eingeladen sind Lederkünstlerinnen und Lederkünstler aus dem europäischen Raum. Zahlreiche Anmeldungen aus verschiedensten europäischen Ländern bestätigen die Idee und Initiative des Vereines. Am zweiten Festtag wird heuer zum zehnten Mal das jährliche Sattler- und Lederhandwerker-Treffen im Museum abgehalten.

Die Verantwortlichen des Österreichischen Sattlermuseums haben sich zum Ziel gesetzt, zukünftig als Kultur- und Bildungsinstitution neue Akzente im Ort, regional und überregional für das Sattlerhandwerk und für das Handwerk allgemein setzen. Schließlich ist das Sattlerhandwerk ist keineswegs ausgestorben, es ist nur nicht mehr so alltäglich, sondern vielmehr etwas ganz Besonderes!

Autor: Josef Wieser (Österreichisches Sattlermuseum, Hofkirchen im Traunkreis)

Museumsinformation

Österreichisches Sattlermuseum

Ipfmühlstraße 15, 4492 Hofkirchen im Traunkreis
Telefon: 0699/10668323