Sonderausstellung im Forum Hall: "Lazarettstadt Bad Hall"

Museum innovativ

Museen leisten im Rahmen ihrer Ausstellungstätigkeit wertvolle Forschungsarbeit zu lokalgeschichtlichen Themen, die sonst kaum wissenschaftliche Bearbeitung finden würden.
Im Rahmen der Recherchen für das Ausstellungsthema "Lazarettstadt Bad Hall" stieß man im Österreichischen Staatsarchiv auf über 22.000 Akten von verwundeten Soldaten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die in Bad Hall in "Reservelazaretten" zur Heilung und Behandlung ihrer Kriegswunden untergebracht wurden. Diesem für die Stadtgeschichte Bad Halls bedeutsamen Thema widmet sich die aktuelle Sonderausstellung im Forum Hall, die bis Oktober 2015 und auch noch in der kommenden Museumssaison 2016 zu besichtigten ist.


Die Entscheidung des NS-Regimes, die Krankenhäuser der Städte Linz und zum Teil auch Wiens nach Bad Hall auszulagern, hing unmittelbar mit den Luftangriffen der Alliierten auf die Städte zusammen, die auf österreichischem Gebiet im August 1943 begannen - medizinische Abteilungen und Krankenhäuser der angriffsgefährdeten Städte wurden ausgelagert. Bad Hall mit seiner bereits langen Kurtradition und den entsprechenden notwendigen sanitären Einrichtungen schien ein idealer Ort dafür zu sein, zumal schon zur Zeit des Ersten Weltkrieges acht Lazarette in Bad Hall vorhanden waren. Neben den Linzer Krankenhäusern wurden auch das Wiener Kinderspital und das Reservelazarett in den Kur- und Badehäusern in Sicherheit gebracht.
Das heutige Museumsgebäude, das 1908 als Neues Badehaus gegründet worden war, beherbergte unter anderem von 1943 bis 1945 die umgesiedelte Landes-Frauenklinik mit Geburtenabteilung und verzeichnete in diesem Zeitraum 2.730 Geburten.

Intensive Archivrecherchen

Die Sonderschau im Museum Forum Hall zeigt neben Originalobjekten, Bild- und Dokumenten-Material, das von intensiven Recherchen des Ausstellungsteams in Archiven und vor allem in Gesprächen mit Zeitzeugen stammt. Ausgestellt werden originale Uniformen von Soldaten, Kleidung der Rot-Kreuz-Schwestern, Rot-Kreuz-Broschen, Tragen, Leibstühle, Krankenanzüge, Abzeichen von Verwundungen und großformatige Bilder. Der Fokus wird auf Bad Hall als Lazarettort im Zweiten Weltkrieg gelegt, zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren (1945-2015).

Im "Gang durch die Geschichte" wird der Besucher vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem 1910 von der Feuerwehr abgetrennten Roten Kreuz Bad Hall über den "Anschluss an Hitler-Deutschland" bis zum Einmarsch der Amerikaner 1945 geführt. Noch nie ausgestellte Objekte werden gezeigt, wie die zerbrochene Marmortafel vom Rathaus Bad Hall, die an "100% JA" von 1938 erinnert, oder das Straßenschild "Adolf-Hitler-Platz", das später zur Schneeschaufel umfunktioniert wurde.

Während des Ersten Weltkrieges fanden in acht Häusern Verwundete von den Fronten gegen Italien und Russland gute Pflege; besonders heilsam wirkten sich die Behandlungen von Amputationsstümpfen mit Jodwasser aus. Gezeigt werden Feldpostkarten mit Motiven aus Bad Hall, dem "Reserve Notspital" oder von der "Militärpflege" sowie Dokumenten aus der Frühzeit des Roten Kreuzes Bad Hall und Originalobjekte des Sanitätswesens.

Objekte von privaten Sammlern

Viele Objekte stammen von privaten Sammlern, die es durch ihre umfangreichen Leihgaben ermöglicht haben, den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung das Thema in einer sehr anschaulichen Art und Weise zu vermitteln. Besonders beeindruckend sind dabei drei szenische Darstellungen, die den Weg des Soldaten von der Verwundung an der Front über den Transport zum Verbandsplatz und zum Lazarettzimmer nachzeichnen und den Schmerz und das Leid der Verwundeten sowie die schwierige Aufgabe der Hilfskrankenpfleger, der Sanitäter und des medizinischen Personals lebendig nachvollziehbar machen.


Autoren: Peter Kerbl (Forum Hall), Elisabeth Kreuzwieser (Verbund Oö. Museen)

Museumsinformation

Forum Hall - Handwerk, Heimat, Haustüren

Eduard-Bach-Straße 4, 4540 Bad Hall
Telefon: 07258/4888