"Prunkwagen und Hirsebrei" im Freilichtmuseum Keltendorf Mitterkirchen

Museum innovativ

Mit dem Projekt Prunkwagen und Hirsebrei bietet das Landesmuseum seit 5 Jahren ein vom Publikum hervorragend aufgenommenes Vermittlungsprogramm im Museum Keltendorf Mitterkirchen an. Jeweils zwei Wochen lang lebt eine Gruppe von 10-15 Personen möglichst authentisch so, wie die aktuelle Forschung sich hallstattzeitlichen Alltag vorstellt. Vor allem der Nahrung wird hier große Aufmerksamkeit gewidmet - sowohl was die Verwendung von Lebensmitteln angeht, die in der frühen Eisenzeit bereits zur Verfügung standen, als auch was die Zubereitung angeht.


Die aus dem Gräberfeld von Mitterkirchen stammenden Gefäße wurden am Beginn des Projektes nachgetöpfert und dienen seither als Kochgefäße am offenen Feuer sowie als Speisegeschirr. Was die Kleidung angeht, sind wir nicht zuletzt durch Textilreste aus dem Salzbergwerk von Hallstatt relativ gut darüber informiert, welche Materialien auf welche Weise gesponnen, gewebt, gefärbt und genäht wurden. Entsprechend sind die ProjektteilnehmerInnen nicht nur funktional, sondern auch schön gekleidet, vor allem was die Farbenvielfalt und die Stoffqualität angeht.
Der Versuch, größtmögliche Authentizität zu erreichen - mit Abstrichen dort, wo es beispielsweise aus gesundheitlichen (Kühlung von Lebensmitteln, Medikamente) oder hygienischen (Toiletten, Waschgelegenheiten) Gründen nicht machbar ist - wird vor allem vom Publikum hoch geschätzt, wie eine Umfrage im Jahr 2013 ergeben hat.

Rekonstruktion von Textilien der Hallstattzeit

Als Schwerpunkt des heurigen Projkets werden 2700 Jahre alte Textilien in Handarbeit nachgewebt. "Wir halten uns an die Originale, die in Hallstatt gefunden wurden", gibt Archäologin Dr. Jutta Leskovar die Zielrichtung vor. Dafür wurde von Museumsmitarbeiter Bernhard in mühevoller Detailarbeit einer der Webstühle des Keltendorfes umgebaut. Denn für die Webversuche ist ein vierschäftiger Gewichtswebstuhl notwendig. "Wir werden einen zweifärbigen Stoff weben. Die Bindung wird 2:2 Köper sein. Das ist die typische Hallstattbindung", berichtet die auf Textilien spezialisierte Keltologin Mag. Helga Rösel-Mautendorfer. "Es geht auch darum, den Charakter der Textilien wiederzuspiegeln. Heute ist 2:1 Köper üblich. Der sieht anders aus." Während des Projektes werden neben Textilien auch Kochen am offenen Feuer, Ernährung und Bronzeguss, Themen sein.

Wer´s genau wissen will ...

... kann das Keltendorf vom 19. Juli bis 1. August 2015 während der Öffnungszeiten erleben und um 11:00 oder 14:00 Uhr bei Führungen das belebte Dorf besichtigen.

Unter www.prunkwagenundhirsebrei.blogspot.com werden laufend Informationen zum Experiment in Mitterkirchen veröffentlicht.

Autor/-in: Jutta Leskovar (Oberösterrecihisches Landesmuseum), Josef Engelmann

Museumsinformation