Darwin Day 2010 Vortrag, Univ.-Prof.. Dr. Ludwig HUBER, Wien
Freitag um 19:30 Uhr im Festsaal Früchte vom Baum der Erkenntnis: zur Evolution kognitiver Fähigkeiten bei Tieren und Menschen Charles Darwin hat nach anfänglichem Zögern und großer Vorsicht in den Veröffentlichungen erkannt, dass seine Sicht der Evolution Schiffbruch erleiden würde, wenn diese nicht auch auf die geistigen Eigenschaften von Tieren und Menschen angewendet würde. Auch bei diesen hat er im Vergleich von Tieren und Menschen von Unterschieden des Grades, aber nicht der Art gesprochen. Während die Naturalisierung des Geistes in der Philosophie weiterhin sehr umstritten ist, sammelt der Biologe unbekümmert empirische Belege dafür. Die moderne Kognitionsbiologie trachtet sich dem Verständnis tierischer Denkleistungen durch Beobachtung und experimentelle Analyse anzunähern, um damit einen Beitrag für Darwins großes Forschungsprogramm zu liefern. Dabei kommen Befunde zu Tage, die im Vergleich zum Menschen tatsächlich eine Vielzahl tiefgreifender Ähnlichkeiten aufzeigen. In der Summe der Belege kann auch der Skeptiker überzeugt werden, dass manche Tiere intentional, also zielgerichtet handeln, einige sogar sich ihrer selbst bewusst werden oder gar in andere hineinversetzen können, manche unglaublich erfinderisch sind oder aber Erfinder in der Gruppe imitieren. Manche gebrauchen Werkzeuge, einige können diese sogar verbessern oder extra herstellen, manche Tiere bilden Traditionen aus, und sehr viele Tiere kommunizieren, manche sogar referentiell, also mit Hilfe von Zeichen. Ludwig Huber, Mag. rer. nat, Dr. rer. nat., geb. 1964, Studium der Biologie (Nebenfach Philosophie); seit 2000 a.o. Professor für Zoologie (Kognitionsbiologie) an der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien.
Nach dem Studium Projektassistent bei Prof. Rupert Riedl in Projekten zu den ratiomorphen und rationalen Grundlagen des menschlichen Erkennens. 1988 Sponsion, 1991 Promotion und 2000 Habilitation an der Universität Wien. Von 1995 bis 2003 Leiter der Abteilung für Theoretische Biologie, seit 2005 Leiter des Emerging Fokus Kognitionsbiologie am Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung. Seit 1993 Mitglied des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung, seit 2005 Gastprofessor an der Karls-Universität Prag. Buchveröffentlichungen: The Evolution of Cognition, Cambridge: MIT Press, 2000 (hg. zus. m. Cecilia Heyes); Wie das Neue in die Welt kommt. Phasenübergänge in Natur und Kultur, Wien, WUV 2000.
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