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Eine einzigartige Symbiose aus Kunst, Kultur und klösterlichem Leben begegnet uns im Stift Reichersberg. Das kulturelle Angebot des Augustiner Chorherrenstifts ist vielschichtig und einzigartig und kann dabei auf eine lange Geschichte zurückblicken. Stift Reichersberg ist eng verbunden mit der berühmten Bildhauerfamilie der Schwanthaler, die über mehrere Jahrhunderte auf künstlerisch höchstem Niveau ein unnachahmliches und reiches Werk schuf. 1974 bot das Stift erstmals den Rahmen einer Landesausstellung zum Thema „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler“. Dieser Themenkreis gipfelte zuletzt im Jahr 2005 in der Dauerausstellung „Die unbekannten Schwanthaler“, die über 100 Skulpturen, Zeichnungen und Skizzen dem interessierten Besucher präsentiert.
Die bewegte Geschichte des Stiftes Reichersberg, die sich über 900 Jahre verfolgen lässt, begann der Gründungslegende nach 1084, als der Edle Wernher und dessen Gattin Dietburga nach dem frühen Tod ihres einzigen Sohnes Gebhard die Burganlage stifteten und diese in ein Kloster umwandelten. Das Gebiet befand sich zu dieser Zeit im Machtbereich der Diözese Passau, aber auch im Einflussradius der Salzburger Erzbischöfe. Wernher bat daher den damals im Exil befindlichen Erzbischof Gebhard von Helfenstein um Schutz für seine junge Gründung. Seit diesem Zeitpunkt befindet sich seine Stiftung im Besitz der Augustiner Chorherren.
Im 12. Jahrhundert erlebte Stift Reichersberg eine erste Blütezeit unter Propst Gerhoch (1132-1169), der schon vor seiner Zeit als Propst als radikaler Theoretiker und Reformer bekannt war. Die Salzburger Erzbischöfe übertrugen in dieser Zeit dem Stift auch ein Seelsorgegebiet an der damals ungarischen Grenze, in dem die Chorherren bis heute tätig sind. Ein für das Stift einschneidendes Ereignis war ein Brand im Jahr 1624, dem die ursprünglich romanisch-gotische Klosteranlage zum Opfer fiel. Man erstarrte jedoch nicht in diesen Umständen, vielmehr setzte im Laufe des 17. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit ein, die den Glanz des Barock bis heute widerspiegelt.
Um alle künstlerischen Details des Stiftes wiederzugeben reicht der Platz dieses Beitrags nicht aus, jedoch führt ein Rundgang entsprechend eines Klosters durch Kirche, Sakristei, Kreuzgang, Bibliothek, Brunnenhaus und Sommerrefektorium. Die präsentierten Exponate stehen durchwegs mit dem klösterlichen Leben im Zusammenhang. Kostbare Paramente, Kelche, Gemälde, Plastiken und Gebrauchsgegenstände zeugen eindrucksvoll von der Geschichte des Klosters. Klingende Namen wie Johann E. Kendlbacher, Benedikt Albrecht, Christian Wink, Josef Matthias Götz, Johann Schöpf, Kaspar Modler, Giovanni Batista und Carlo Antonio Carlone sind eine Auswahl jener barocker Künstler, die dem Besucher auf seinem Rundgang begegnen. Mit einem Namen jedoch steht Stift Reichersberg in besonderer Verbindung, nämlich jenem der Bildhauer-Dynastie der Schwanthaler. Allerorts finden sich in den Gebäuden des Stiftes Zeugnisse dieser innviertlerisch-bayerischen Künstlerdynastie.
Daher ist es ein besonderer Glücksfall für die oberösterreichische Museumslandschaft, dass seit dem Jahr 2005 eine Dauerausstellung mit dem Titel „Die unbekannten Schwanthaler“ präsentiert werden kann, die aus der Privatsammlung eines Münchner Arztes stammt und die nun einen dauerhaften Aufstellungsort gefunden hat.
Der Name Schwanthaler entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Markenzeichen künstlerischer Qualität, wobei Thomas Schwanthaler zum bedeutendsten Barockplastiker der Innregion avancierte. Der Titel der Ausstellung verweist auch auf die Besonderheiten der Präsentation, die mit mehr als 100 kostbaren Skulpturen, Entwürfen und Skizzen der Familie Schwanthaler eine selten erreichte Vielfalt von einzigartigen Objekten aufweist. Insgesamt begegnen dem Besucher elf Vertreter der Schwanthaler-Dynastie in der Ausstellung. Unter den präsentierten Raritäten befindet sich zum Beispiel auch ein Skizzenbuch von Ludwig M. Schwanthaler mit 256 Federzeichnungen von Städten, Burgen und Landschaften.
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