Museumstipp des Monats August 2006: OÖ. Sensenschmiedemuseum

OÖ. Sensenschmiedemuseum MicheldorfOÖ. Sensenschmiedemuseum MicheldorfOÖ. Sensenschmiedemuseum Micheldorf
OÖ. Sensenschmiedemuseum
Gradnstraße 1, 4563 Micheldorf
Telefon: 07582/51700 Klangwelten oder Mobil: 0664/5968593                   Kustos: DI Werner Gaul         07582/63474 Tourismusbüro
E-Mail:
Internet: www.kulturschmiede.at
            OÖ. Sensenschmiedemuseum Micheldorf
 
Feuer und Wasser bildeten einst die Grundvoraussetzungen für alle technisch-industriellen Entwicklungen. So auch am Oberlauf der Krems, wo jahrhundertelang die Kraft des Wassers genutzt wurde und sich die wichtigsten Keimzellen oberösterreichischer Industrie befanden.
Überregionale Bedeutung erlangte das obere Kremstal zu Beginn der Neuzeit, als Kirchdorf-Micheldorf zum europäischen Zentrum der Sensenproduktion aufstieg.
Zu den ältesten und auch bedeutendsten Sensenwerken der „Kirchdorfer-Micheldorfer Zunft“ der Sensenschmiedemeister zählte die „Werkstatt am Gries“ („Gradn“), deren Geschichte sich über 500 Jahre verfolgen lässt. Berühmtheit erlangte die „Gradn-Werkstatt“ durch die hervorragende Qualität der erzeugten Sensen, die mit dem Zeichen eines „Kelchs mit Hostie“ (Tassilokelch - Stift Kremsmünster) beschlagen wurden. Dieses Zeichen wurde in weiterer Folge im 19. Jahrhundert zum Symbol eines besonderen „Schwarzen Grafen“, dessen Name untrennbar mit der Micheldorfer Sensenindustrie verbunden war - Caspar Zeitlinger (1798-1866). Dieser übernahm im Jahr 1826 das Sensenwerk und vereinigte in kurzer Zeit nicht weniger als vier Sensenhämmer in seiner Hand. Seinem unternehmerischen Geschick ist es zu verdanken, dass er als einer der ersten vorindustriellen Unternehmer Österreichs angesehen werden kann. Sein Markenzeichen - „Kelch mit Hostie“ - wurde nicht nur auf Sensen geschlagen, sondern zierte auch Geschirr und Silberbesteck, Briefpapier, technische Geräte, Ziegel und Architekturelemente auf Gebäuden. Aber nicht nur sein kaufmännisches Können, auch seine Vorlieben für Repräsentation, Kunst und Kultur charakterisieren diesen größten oberösterreichischen Sensenproduzenten des 19. Jahrhunderts.

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All diese Besonderheiten, Kostbarkeiten und Charakteristika findet der Besucher bei einem Besuch des OÖ. Sensenschmiedemuseums in Micheldorf, das im Jahr 1978 eröffnet und im Zuge der Landesausstellung 1998 wissenschaftlich und museumsdidaktisch neu gestaltet wurde, wieder. Das Museum präsentiert heute einen lebendigen Gang durch die Jahrhunderte der Region und widmet sich in anschaulicher Weise der Sensenproduktion und dem Leben der „Schwarzen Grafen“ und wurde zurecht 2004 mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet.
Das hervorragende gestaltete Museum zeigt auch den wirtschaftlichen Wandel der Region nach der Auflassung der Sensenerzeugung. In den noch heute erhaltenen Gebäuden wird die Unternehmenskultur sowie die Arbeits- und Lebenswelt der Sensenschmiede gezeigt.
Bei einem Museumsbesuch, für den man sich ausreichend Zeit nehmen sollte, führt der Weg zunächst in das „Herrenhaus“, das mit seiner reichen Ausstattung das Repräsentationsbedürfnis und die soziale Stellung der Hammerherren dokumentiert. Das „Herrenhaus“ war als Wohnhaus auch der Sitz der Gewerkenfamilie und übte viele Funktionen aus. Heute wird im Herrenhaus anhand eindrucksvoller und kostbarer Exponate die Unternehmerkultur des Caspar Zeitlinger, einschließlich der Hauswirtschaft und der Leitung des Unternehmens gezeigt. Gegenüber dem „Herrenhaus“ befindet sich die „Kram“, die früher für die Verpackung und den Versand der Erzeugnisse sowie als Sensenlager diente. Heute ist die „Kram“ der Beschaffung der Rohstoffe, der Endfertigung und dem Sensenabsatz gewidmet. Verlässt man die „Kram“ und begibt sich in den „Gradn-Hammer“ selbst, verdeutlicht dieser eindrucksvoll die Arbeitswelt des Sensenschmiedens.
Auch die Lebenswelt der Schmiedarbeiter wird eindrucksvoll im gesamten Ensemble veranschaulicht.
Seit dem Jahr 2005 erwarten den Besucher auch Momentaufnahmen aus dem Leben der Hammerherren im Zuge der„Living History Ausstellung“. Historische Szenen wurden dabei von Micheldorfer Bürgern nachgestellt, fotografiert und begegnen dem Besucher als großformatige Fotofiguren immer wieder auf seinem Museumsrundgang.

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Unter der Kulturschmiede Micheldorf ist heute das OÖ Sensenschmiedemuseum gemeinsam mit den Klangwelten, der gastronomischen Infrastruktur mit dem Eisenstraßenwirt „Zum schwarzen Grafen“ und regelmäßigen kulturellen Veranstaltungen vereint.          
In den „Klangwelten“ wird es Besuchern ermöglicht in die Klangsphäre der Region Eisenwurzen einzutauchen. Am 1. Juli 2006 wurde als neue Besucherattraktion die Sonderausstellung „LICHT WIRKT – Wirkung von Farben auf Körper & Gesundheit“ in der Kulturschmiede eröffnet. Anschließend kann man sich bei einer Wanderung, der sog. „Sengstschmiedroas“ über das örtliche Sensenschmiedegewerbe informieren und die landschaftliche Schönheit rund um den Georgiberg genießen.